
Frühes 19. Jahrhundert
Der Vormärz
Baden
Der Vormärz in Baden: Zensur, die Verfassung von 1818, Hunger und Karlsbader Beschlüsse – wie diese Epoche den Boden für die Revolution 1848/49 bereitete.
Die Badische Revolution von 1848/49 war der Versuch, im Großherzogtum Baden Freiheitsrechte, ein gewähltes Parlament und schließlich eine Republik durchzusetzen. In keinem anderen Staat des Deutschen Bundes kämpften Demokraten so beharrlich dafür. Die Revolution in Baden begann im September 1847 mit den 13 Forderungen des Volkes in Offenburg. Mit dem Heckerzug im April 1848 und dem Struve-Putsch im September 1848 griffen die Radikalen zu den Waffen, im Mai 1849 lief sogar das badische Militär zum Volk über. Am 23. Juli 1849 kapitulierte die Festung Rastatt vor preußischen Truppen, danach vollstreckten Standgerichte 27 Todesurteile.
Hier finden Sie alle Ereignisse im Zeitstrahl, vom Vormärz bis zum Aufstand der Soldaten. Unter dem Zeitstrahl erklären wir Ursachen, Verlauf und Folgen im Zusammenhang und stellen die wichtigsten Personen der Badischen Revolution vor, von Friedrich Hecker über Gustav und Amalie Struve bis Lorenz Brentano.
Die ganze Geschichte erzählt unser Dokumentarfilm „48/49 – Revolution in Baden.“ an den Originalschauplätzen in Baden. Kinostart ist der 16. Oktober 2026, Kinos, Termine und Tickets finden Sie weiter unten.

Frühes 19. Jahrhundert
Baden
Der Vormärz in Baden: Zensur, die Verfassung von 1818, Hunger und Karlsbader Beschlüsse – wie diese Epoche den Boden für die Revolution 1848/49 bereitete.

In den 1840er Jahren
Baden
Das Großherzogtum Baden im Vormärz: liberale Verfassung, das Ständehaus in Karlsruhe und der Druck des Deutschen Bundes – das Machtgefüge vor der Revolution 1848.

1847
Offenburg
Die 13 Forderungen des Volkes von 1847: Welche Rechte Hecker und Struve im Offenburger „Salmen“ verlangten und warum sie als Grundrechteprogramm gelten.

Kurz vor der Revolution 1848
Die Ursachen der Badischen Revolution: Missernten, Pauperismus, drückende Steuern und Zensur – warum dem Volk im Südwesten 1848 nur noch der Aufstand blieb.

Frühjahr 1848
Deutsch/Französische Grenze
Wie die Revolution 1848 in Baden ausbrach: Von Herweghs Legion in Paris bis zur Offenburger Versammlung und den Märzforderungen.

April 1848
Konstanz
Der Heckerzug 1848, auch Heckeraufstand: Wie Friedrich Hecker von Konstanz aus die Republik erkämpfen wollte und am 20. April bei Kandern scheiterte.

September 1848
Lörrach
Der Struve-Putsch vom 21. September 1848: Gustav Struve ruft in Lörrach die Deutsche Republik aus, drei Tage später scheitert er bei Staufen.

April 1849
Berlin & Frankfurt am Main
Die Ablehnung der Kaiserkrone 1849: Warum Friedrich Wilhelm IV. die vom Volk angebotene Krone ausschlug – und wie sein „Nein" den Mai-Aufstand in Baden entfachte.

Mai 1849
Offenburg, Rastatt & Karlsruhe
Der Mai-Aufstand in Baden 1849: Wie das Militär in Rastatt zum Volk überlief, der Großherzog floh und aus dem Volkszug von Offenburg die badische Revolutionsarmee entstand.

13./14. Mai 1849
Rastatt
Vereidigung in Rastatt 1849: Wie Soldaten und Bürgerwehr auf die Reichsverfassung schworen und der Großherzog seine Armee verlor.

13./14. Mai 1849
Karlsruhe
Flucht des Großherzogs 1849: Wie Leopold in der Nacht zum 14. Mai aus Karlsruhe floh, wohin ihn der Weg führte und warum er Preußen um Hilfe bat.

Mai bis Juli 1849
Dresden, Elberfeld, Pfalz, Baden
Reichsverfassungskampagne 1849: Wie Menschen in Dresden, Elberfeld, der Pfalz und Baden für die Paulskirchenverfassung kämpften und warum sie scheiterten.

21. Juni 1849
Waghäusel
Gefecht bei Waghäusel am 21. Juni 1849: Wie der Rheinübergang der Preußen die badische Revolutionsarmee zum Rückzug zwang und den Feldzug entschied.

28. Juni bis 12. Juli 1849
Murg, Schwarzwald, Schweizer Grenze
Rückzug in die Schweiz 1849: Nach dem Fall der Murglinie zog die badische Revolutionsarmee durch den Schwarzwald und trat im Juli mit rund 9.200 Mann über.

30. Juni bis 23. Juli 1849
Rastatt
Belagerung von Rastatt 1849: Wie rund 6.000 Revolutionäre drei Wochen lang die Festung gegen Preußen hielten und warum sie am 23. Juli kapitulierten.

Ab 23. Juli 1849
Rastatt
Kasematten von Rastatt 1849: Wie rund 5.600 Revolutionäre nach der Kapitulation gefangen saßen, hungerten, erkrankten und auf ihr Urteil warteten.

Juli bis Oktober 1849
Rastatt, Mannheim, Freiburg
Standgerichte 1849: Wie preußische und badische Militärgerichte nach der Revolution 27 Todesurteile in Freiburg, Mannheim und Rastatt vollstrecken ließen.
Die Badische Revolution von 1848/49 war der Teil der deutschen Märzrevolution, der im Großherzogtum Baden ausgetragen wurde, und zugleich ihr radikalster. Nirgendwo sonst im Deutschen Bund versuchten Demokraten so beharrlich, eine Republik zu erkämpfen: im April 1848 mit dem Heckerzug, im September 1848 mit dem Struve-Putsch und ab Mai 1849 mit einem Aufstand, der den Großherzog aus dem Land trieb. Die Revolution begann in Baden und endete dort: Am 23. Juli 1849 kapitulierte die Festung Rastatt als letzte Bastion der Revolutionäre vor preußischen Truppen.
Baden galt nach 1815 als einer der fortschrittlichsten Staaten Deutschlands. Die Verfassung von 1818 schuf einen Landtag mit gewählter Zweiter Kammer, in der liberale Abgeordnete wie Karl von Rotteck und Johann Adam von Itzstein für Presse- und Versammlungsfreiheit stritten. Zugleich wachte das von Fürst Metternich geprägte System des Deutschen Bundes darüber, dass solche Forderungen folgenlos blieben: Die Karlsbader Beschlüsse von 1819 brachten Zensur und die Überwachung der Universitäten. Wie diese Spannung die Jahrzehnte vor 1848 prägte, zeigen die Kapitel Der Vormärz und Die „politische Ordnung“ Badens.
Hinzu kam die soziale Not. Missernten und die Kartoffelfäule lösten 1846/47 eine Hungerkrise aus, Handwerker und Kleinbauern verarmten. Politische Unfreiheit und wirtschaftliches Elend verbanden sich zu einem Druck, der sich 1848 entlud. Mehr dazu im Kapitel Wie es zur Revolution kam.
Am 12. September 1847 versammelten sich im Offenburger Gasthaus „Salmen“ die „entschiedenen Freunde der Verfassung“. Friedrich Hecker trug dort die gemeinsam mit Gustav Struve verfassten 13 Forderungen des Volkes vor: Pressefreiheit, Gewissens- und Lehrfreiheit, Schwurgerichte, eine Volksvertretung beim Deutschen Bund, eine gerechte Besteuerung und die Abschaffung von Vorrechten. Es war eines der ersten demokratischen Programme in Deutschland.
Die Februarrevolution in Paris wirkte wie ein Signal. Am 27. Februar 1848 griff eine Volksversammlung in Mannheim die Offenburger Forderungen wieder auf und richtete sie als Petition an den Landtag. Die Regierung erfüllte einen Teil der Forderungen, darunter Pressefreiheit und Schwurgerichte. Ende März tagte in Frankfurt das Vorparlament. Wie schnell der Funke von Frankreich nach Baden übersprang, erzählt das Kapitel Der Funke der Freiheit.
Den Radikalen um Hecker und Struve genügte das nicht. Im Vorparlament unterlagen sie, und Hecker entschied sich für den bewaffneten Aufstand. Am 13. April 1848 zog er mit Freischärlern von Konstanz los, um in Karlsruhe die Republik auszurufen. Am 20. April endete der Heckerzug im Gefecht auf der Scheideck bei Kandern. Hecker floh in die Schweiz und wanderte später in die USA aus.
Gustav Struve gab nicht auf. Am 21. September 1848 rief er in Lörrach die „Deutsche Republik“ aus, doch schon drei Tage später schlugen großherzogliche Truppen seine Freischaren bei Staufen. Struve und seine Frau Amalie wurden verhaftet. Das Kapitel Der Struve-Putsch erzählt, wie es dazu kam.
Währenddessen arbeitete die Frankfurter Nationalversammlung eine Reichsverfassung mit Grundrechten aus. Im April 1849 trug eine Deputation unter Eduard von Simson dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone an, doch er lehnte ab. Damit war das Verfassungswerk politisch gescheitert. Mehr dazu im Kapitel Die verschmähte Krone.
In Baden kämpften Volksvereine und Soldaten nun für die Anerkennung der Reichsverfassung. Im Mai 1849 meuterte die Garnison der Bundesfestung Rastatt, eine Landesversammlung in Offenburg stellte Forderungen, und in der Nacht vom 13. auf den 14. Mai floh Großherzog Leopold. Eine provisorische Regierung unter Lorenz Brentano übernahm die Macht, den Oberbefehl über die Revolutionsarmee erhielt der polnische General Ludwik Mierosławski. Mehr dazu im Kapitel Der Aufstand der Soldaten.
Gegen die Übermacht der preußischen und Bundestruppen unter Prinz Wilhelm von Preußen hatte die Revolutionsarmee keine Chance. Nach dem Gefecht bei Waghäusel am 21. und 22. Juni 1849 musste sie sich zurückziehen, die Regierung floh über Freiburg in die Schweiz. Die letzten Revolutionäre verschanzten sich in Rastatt und kapitulierten nach dreiwöchiger Belagerung am 23. Juli 1849.
Auf die Niederlage folgte die Abrechnung. Preußisch-badische Standgerichte und Kriegsgerichte in Rastatt, Mannheim und Freiburg vollstreckten zwischen Juli und Oktober 1849 insgesamt 27 Todesurteile. Viele weitere Beteiligte wurden zu langen Zuchthausstrafen verurteilt, die badische Armee wurde aufgelöst und unter preußischer Führung neu aufgebaut. Viele Revolutionäre retteten sich ins Exil, darunter Struve, Brentano und Franz Sigel. In den folgenden Jahren wanderten rund 80.000 Badener aus, etwa fünf Prozent der Bevölkerung, vor allem nach Amerika. Dort wurden die „Forty-Eighters“ zu einer prägenden Gruppe: Viele kämpften im Bürgerkrieg auf Seiten der Union, Hecker und Sigel als Offiziere.
Militärisch scheiterte die Revolution, ihre Ideen aber überdauerten. Die Grundrechte der Frankfurter Reichsverfassung wurden zum Vorbild für die Weimarer Verfassung von 1919 und für das Grundgesetz von 1949. Presse- und Versammlungsfreiheit, Gleichheit vor dem Gesetz und ein gewähltes Parlament gehören heute zu den Grundlagen der Demokratie, 1848/49 wurden sie in Baden unter Lebensgefahr eingefordert. An diese Geschichte erinnern der „Salmen“ in Offenburg und die Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte im Rastatter Schloss.
Unser Kinodokumentarfilm „48/49 – Revolution in Baden.“ erzählt diese Geschichte an den Originalschauplätzen. Die Kapitel auf dieser Seite und die Steckbriefe der Personen der Badischen Revolution vertiefen sie. Kinostart ist der 16. Oktober 2026: Sichern Sie sich jetzt Ihre Kinotickets.

1790–1852
Regent Badens im Vormärz und in der Revolution 1848/49
Obrigkeit
1813–1891
Chef der provisorischen Regierung Badens 1849
Republikaner1815–1849
Herausgeber des „Festungsboten“ im belagerten Rastatt 1849
Republikaner
1795–1861
Lehnte 1849 die Kaiserkrone ab
Obrigkeit
1815–1882
Freischärler 1849, an der Murg verwundet und gefangen
Republikaner1808–1849
Gouverneur der Festung Rastatt 1849
Republikaner
1797–1888
Oberbefehlshaber der preußischen Interventionstruppen 1849
Obrigkeit
1809–1886
Befehlshaber der badischen Volkswehr 1849
Republikaner