Großherzog Leopold von Baden

Großherzog Leopold von Baden

1790–1852 Regent Badens im Vormärz und in der Revolution 1848/49 Obrigkeit

Großherzog Leopold saß in den 1840er Jahren auf dem Karlsruher Thron: melancholisch, entschlussarm, kein Despot, sondern Herrscher im Kreuzfeuer zwischen Bildungsbürgertum und dem drohenden Preußen. 1839 berief er den reaktionären Friedrich von Blittersdorf zum Staatsminister, der die Landtagsrechte beschnitt und die Bevölkerung radikalisierte. Als im März 1848 die Märzforderungen das Land erfassten, gab Leopold nach und setzte das liberale Märzministerium ein, konnte die Revolution damit aber nicht mehr aufhalten.

  • Geboren29.8.1790
  • Gestorben24.4.1852
  • GeburtsortKarlsruhe
  • WirkungsortKarlsruhe
  • Rolle / FunktionRegent Badens im Vormärz und in der Revolution 1848/49
  • BerufGroßherzog von Baden

Herkunft und Weg zum Thron

Leopold kam am 29. August 1790 in Karlsruhe zur Welt. Er war der älteste Sohn aus der zweiten Ehe des Großherzogs Karl Friedrich mit Luise Karoline Geyer von Geyersberg, der späteren Reichsgräfin von Hochberg. Weil diese Ehe nicht als ebenbürtig galt, war ihm die Thronfolge zunächst nicht zugedacht; er trug den Titel eines Grafen von Hochberg. Ab 1809 studierte er Staatswissenschaften in Heidelberg, unternahm längere Reisen und kämpfte 1814 im Krieg gegen Napoleon, wonach er zum Generalmajor ernannt wurde.

Als dem regierenden Haus die Erben ausgingen, wurden Leopold und seine Brüder 1817 zu Prinzen und Markgrafen von Baden erklärt. 1819 heiratete er Sophie, eine Tochter des abgesetzten schwedischen Königs Gustav IV. Adolf. Während der Regierung seines Halbbruders Ludwig hielt er sich aus der Politik weitgehend heraus und widmete sich der Landwirtschaft. 1830 folgte er ihm als Großherzog.

Hoffnungsträger der Liberalen

Zu Beginn erfüllte Leopold viele Erwartungen der Liberalen. Er entließ das konservative Ministerium Berstett und ließ die Wahlen von 1831 ohne Einflussnahme der Regierung abhalten. Die neue, entschieden liberale Zweite Kammer beschloss eine Reihe von Reformgesetzen, darunter ein Pressegesetz, das die Zensur weitgehend aufhob. Auf Druck des Deutschen Bundes und Österreichs musste Leopold es 1832 per Verordnung zurücknehmen. Wie eng der Spielraum zwischen badischer Verfassung und Bundesrecht war, zeigt das Kapitel über die politische Ordnung Badens.

Zwischen Kammer und Bund

Danach schwenkte der Großherzog auf die konservative Linie ein. Ende der 1830er Jahre machte er Friedrich von Blittersdorf zum leitenden Minister, der gegen die liberale Kammermehrheit regierte. Leopolds Unentschlossenheit und seine Abhängigkeit von Ministern, Höflingen und Verwandten verschärften den Gegensatz zwischen Kammer und Beamtenschaft. Zensur und Kammerauflösung konnten die liberale Bewegung nicht bremsen. 1846 berief er den liberalen Minister Johann Baptist Bekk und suchte den Ausgleich. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Opposition um Friedrich Hecker und Gustav Struve aber bereits radikalisiert.

Revolution und Flucht

Im März 1848 gab Leopold den Märzforderungen nach und setzte liberale Minister ein, das sogenannte Märzministerium. Den Radikalen genügte das nicht, wie das Kapitel Der Funke der Freiheit schildert. Gegen den Heckerzug im April 1848 erwirkte der Großherzog den Einsatz von Bundestruppen unter General Friedrich von Gagern.

Nachdem der preußische König im April 1849 die Kaiserkrone abgelehnt hatte, meuterte im Mai die Garnison der Festung Rastatt. Mit dem Mai-Aufstand verlor Leopold den Rückhalt seiner Armee und floh am 13. Mai 1849 aus Karlsruhe. An seine Stelle trat eine provisorische Regierung unter Lorenz Brentano, in der Amand Goegg das Finanzressort führte.

Rückkehr mit den Preußen

Aus dem Exil bat Leopold den Deutschen Bund um Hilfe. Überwiegend preußische Truppen unter dem Prinzen von Preußen besiegten die Revolutionsarmee unter Ludwik Mierosławski und schlugen die Erhebung nieder. Am 18. August 1849 zog der Großherzog mit den Siegern wieder in Karlsruhe ein. Er nahm hin, dass Preußen das Land militärisch kontrollierte, und knüpfte an seine konservative Politik aus der Zeit vor 1848 an. Gesundheitlich angeschlagen, übertrug er am 21. Februar 1852 die Regierungsgeschäfte seinem zweiten Sohn Friedrich. Am 24. April 1852 starb Leopold in Karlsruhe.

Verbindungen

Großherzog Leopold von Baden in der Badischen Revolution

  1. In den 1840er JahrenDie „politische Ordnung“ Badens

    Das Großherzogtum Baden im Vormärz: liberale Verfassung, das Ständehaus in Karlsruhe und der Druck des Deutschen Bundes – das Machtgefüge vor der Revolution 1848.

  2. April 1849Die verschmähte Krone

    Die Ablehnung der Kaiserkrone 1849: Warum Friedrich Wilhelm IV. die vom Volk angebotene Krone ausschlug – und wie sein „Nein" den Mai-Aufstand in Baden entfachte.

  3. Mai 1849Der Aufstand der Soldaten

    Der Mai-Aufstand in Baden 1849: Wie das Militär in Rastatt zum Volk überlief, der Großherzog floh und aus dem Volkszug von Offenburg die badische Revolutionsarmee entstand.

Quellen und Literatur

  1. Klaus Gerteis: Leopold. In: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 271.
  2. Friedrich von Weech: Leopold. In: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 370-376.
  3. Badische Landesbibliothek (Hrsg.): Großherzog Leopold von Baden 1790-1852. Regent, Mäzen, Bürger. Versuch eines Porträts. Karlsruhe 1990.
  4. https://www.deutsche-biographie.de/pnd118965123.html

Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND

Zum Weiterlesen

  • Annette Borchardt-Wenzel

    Kleine Geschichte Badens

    Handlicher Überblick über die badische Geschichte und ihre Großherzöge.

    Regensburg 2026 · ISBN 9783791736693

  • Christopher Clark

    Frühling der Revolution. Europa 1848/49 und der Kampf für eine neue Welt

    Zeigt, wie die Revolution 1848/49 die Fürsten in ganz Europa unter Druck setzte.

    München 2025 · ISBN 9783570555101

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