
Lorenz Brentano
Lorenz Brentano, geboren 1813 in Mannheim, war Jurist und liberaldemokratischer Politiker. Vom 15. Mai bis 28. Juni 1849 stand er als Regierungschef an der Spitze der provisorischen Revolutionsregierung Badens, wo er einen gemäßigten Kurs verfolgte und Verhandlungen mit Preußen suchte, bis ihn radikalere Kräfte verdrängten. Nach dem Scheitern der Revolution floh er in die Schweiz und emigrierte in die USA. Als einer der „Forty-Eighters“ machte er in Chicago Karriere als Journalist, Stadtratspräsident, US-Kongressabgeordneter und Konsul.
- Geboren4.11.1813
- Gestorben17.9.1891
- GeburtsortMannheim
- WirkungsortMannheim, Karlsruhe, Freiburg; später Chicago (USA)
- Rolle / FunktionChef der provisorischen Regierung Badens 1849
- BerufJurist und Politiker, später Journalist (USA)
Herkunft und Ausbildung
Lorenz Brentano wurde im November 1813 in Mannheim geboren. Sein Vater Johann Peter Paul Brentano war kurpfälzischer Kommerzienrat und Großkaufmann, die Familie gehörte zur deutschen Linie der Brentanos. Von 1831 bis 1834 studierte er Rechtswissenschaft in Freiburg und Heidelberg. Ab 1837 arbeitete er als Rechtsanwalt in Mannheim; seine Laufbahn führte ihn später an die Hofgerichte in Rastatt und Bruchsal und im Juli 1848 an das Hofgericht des Unterrheinkreises in Mannheim zurück.
In der Opposition des Ständehauses
Aus dem Kreis um Johann Adam von Itzstein kam Brentano im Dezember 1845 in die Zweite Kammer des badischen Landtags. Dort begründete er einen Antrag auf Unabhängigkeit der Richter und legte sich damit mit der Spitze des Justizministeriums an. Er trat für Pressefreiheit, Volksbewaffnung, Schwurgerichte und ein deutsches Parlament ein. Als sich die Kammeropposition 1846 spaltete, ging er zu den entschiedenen Demokraten. Einen Heißsporn wie Friedrich Hecker sah die Neue Deutsche Biographie in ihm nicht, eher einen Politiker mit praktischem Instinkt. Heckers Aufstand im April 1848 betrachtete er skeptisch.
Paulskirche und Verteidiger der Radikalen
Im Frühjahr 1848 saß Brentano im Vorparlament und danach in der Frankfurter Nationalversammlung. Dort beantragte er, die Wahl des geflohenen Hecker anzuerkennen. Das Parlament lehnte ab. Nicht lange danach, noch im Spätsommer 1848, zog sich Brentano aus Frankfurt zurück, um sich ganz der badischen Politik zu widmen. Er übernahm den Vorsitz im Landesausschuss der badischen Volksvereine.
Landesweit bekannt machten ihn die Freiburger Hochverratsprozesse. Brentano verteidigte dort Anhänger der radikalen Bewegung, unter ihnen Gustav Struve, der nach dem Struve-Putsch vom September 1848 angeklagt war. Anfang 1849 wählten ihn die Mannheimer zum Oberbürgermeister. Die Regierung verweigerte die Bestätigung, und von da an suchte Brentano keinen Ausgleich mehr mit ihr.
Regierungschef im Mai und Juni 1849
Nach dem Aufstand der Soldaten und der Flucht des Großherzogs stellte ihn zuerst der Landesausschuss und dann die neu gewählte verfassunggebende Versammlung an die Spitze der provisorischen Regierung. Vom 15. Mai bis zum 28. Juni 1849 führte er die Geschäfte in Karlsruhe. Ein erhaltenes Schriftstück trägt seine Unterschrift für die „Provisorische Regierung für Baden“ mit dem handschriftlichen Zusatz „mit diktatorischer Gewalt“. Seine Politik blieb dennoch vorsichtig. Die Flucht des Großherzogs kam ihm ungelegen, er wollte Ordnung halten und über einen Kompromiss verhandeln. Franz Sigel war in seiner Regierung Kriegsminister.
Mit dem radikalen Flügel lag Brentano über Kreuz. Einen Putschversuch Struves am 6. Juni konnte er mit der gemäßigten Mehrheit der Regierung noch abwehren. Als preußische Truppen unter Prinz Wilhelm heranrückten, wich die Regierung am 25. Juni nach Freiburg aus. Dort wollte Brentano mit den Preußen verhandeln, Struve dagegen weiterkämpfen. Die Radikalen setzten sich durch. Nach seiner Absetzung floh Brentano in der Nacht vom 28. auf den 29. Juni 1849 in die Schweiz, noch bevor Rastatt fiel.
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Zweite Karriere in Chicago
In Baden wurde Brentano in Abwesenheit verurteilt. Weil ihm die Schweiz kein dauerhaftes Asyl gewährte, ging er 1850 in die Vereinigten Staaten. Die ersten Jahre verliefen mühsam: Er gab in Pottsville in Pennsylvania die Zeitung „Der Leuchtturm“ heraus, versuchte es als Farmer in Michigan und als Anwalt in Chicago. Um 1860 kam er zur Illinois Staats-Zeitung, die er als Chefredakteur und Mitinhaber zu einem der wichtigsten deutschsprachigen Blätter des Westens machte. Wie viele Forty-Eighters unterstützte er die Republikaner und Abraham Lincoln. 1862 wurde seine badische Zuchthausstrafe erlassen. Von 1872 bis 1876 war er amerikanischer Konsul in Dresden, danach saß er bis 1879 im Repräsentantenhaus in Washington. Lorenz Brentano starb am 17. September 1891 in Chicago.
Verbindungen



Mitstreiter
Ludwik Mierosławski 1814–1878
Mierosławski übernahm im Juni 1849 den Oberbefehl
Gemeinsam in: Der Aufstand der Soldaten

Mitstreiter
Franz Sigel 1824–1902
Kriegsminister in Brentanos Revolutionsregierung 1849
Gemeinsam in: Der Aufstand der Soldaten

Gegenspieler
Großherzog Leopold von Baden 1790–1852
Leopold floh im Mai 1849
Gemeinsam in: Der Aufstand der Soldaten

Lorenz Brentano in der Badischen Revolution
- Mai 1849Der Aufstand der Soldaten
Der Mai-Aufstand in Baden 1849: Wie das Militär in Rastatt zum Volk überlief, der Großherzog floh und aus dem Volkszug von Offenburg die badische Revolutionsarmee entstand.
Quellen und Literatur
- Georg F. Sperl: Brentano, Lorenz Peter Karl. In: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 595 f.
- Sonja-Maria Bauer: Lorenz Brentano. Vom Advokaten und Revolutionär in Baden zum Journalisten und Politiker in den USA. Eine biographische Skizze. In: Clemens Rehm, Hans-Peter Becht, Kurt Hochstuhl (Hg.): Baden 1848/49. Bewältigung und Nachwirkung einer Revolution. Thorbecke, Stuttgart 2002, S. 217-237.
- https://www.deutsche-biographie.de/pnd117630837.html
Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND
Zum Weiterlesen

Christopher Clark
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München 2025 · ISBN 9783570555101

Annette Borchardt-Wenzel
Kleine Geschichte Badens
Handlicher Überblick über die badische Geschichte, in die sich die Revolution von 1848/49 einordnet.
Regensburg 2026 · ISBN 9783791736693
