Johann Adam von Itzstein

Johann Adam von Itzstein

1775–1855 Wortführer der liberalen Opposition, Doyen des süddeutschen Liberalismus Liberal

Johann Adam von Itzstein gehörte im Karlsruher Ständehaus zu den prägenden Stimmen der liberalen Opposition. In der Zweiten Kammer stritt er neben Friedrich Hecker und Karl von Rotteck über Pressefreiheit, Ministerverantwortlichkeit und die Rechte des Volkes und trug so zur Politisierung Badens bei. Das Ständehaus wurde unter Rednern wie Itzstein zur „Schule der Nation", in der die Kernforderungen formuliert wurden, die später das Fundament der Revolution von 1848 bildeten.

  • Geboren28.9.1775
  • Gestorben14.9.1855
  • GeburtsortMainz
  • WirkungsortKarlsruher Ständehaus, Hallgarten (Rheingau)
  • Rolle / FunktionWortführer der liberalen Opposition, Doyen des süddeutschen Liberalismus
  • BerufVerwaltungsbeamter (Hofgerichtsrat), liberaler Politiker

Herkunft und Beamtenlaufbahn

Johann Adam von Itzstein wurde am 28. September 1775 in Mainz geboren. Sein Vater war kurmainzischer Hofgerichtsdirektor. Itzstein studierte in seiner Heimatstadt Rechtswissenschaft und besuchte als junger Student während der Mainzer Republik 1792/93 die Sitzungen des Jakobinerklubs. Nach dem Examen 1797 stand er zunächst in kurmainzischen, dann in leiningischen Diensten. 1809 wurde er als Oberamtmann in den badischen Staatsdienst übernommen, leitete ab 1810 das Bezirksamt Schwetzingen und kam 1819 als Hofgerichtsrat nach Mannheim.

Wortführer im Ständehaus

1822 wählte ihn die Stadt Mannheim in die Zweite Kammer des badischen Landtags. Er machte sich rasch einen Namen als schlagfertiger Redner der Opposition, vor allem im Streit um den Militäretat. Itzstein verlangte Pressefreiheit, mehr Rechte für das Parlament und eine wirksame Kontrolle des Haushalts. 1823 schloss Großherzog Ludwig den Landtag, Itzstein wurde an das Hofgericht Meersburg strafversetzt und 1824 in den Ruhestand geschickt. Unabhängig machte ihn das Weingut seiner Familie in Hallgarten im Rheingau.

Im November 1830, nach Ludwigs Tod und unter dem Eindruck der französischen Julirevolution, zog er wieder in die Kammer ein. Bald galt er als Doyen des süddeutschen Liberalismus. In den Jahren der konservativen Regierung Blittersdorf wehrte er sich gegen Zensur, gegen die Urlaubsverweigerung für gewählte Beamte und gegen die Auflösung der Kammer. Wie das Ständehaus zur Bühne der Opposition wurde, erzählt das Kapitel über den Vormärz.

Der Hallgartenkreis

Auf seinem Weingut trafen sich 1832 und dann jährlich von 1839 bis 1847 liberale Politiker aus ganz Deutschland. Weil größere politische Versammlungen verboten waren, blieben die Treffen fast geheim. Zu den Gästen gehörten Robert Blum, Johann Jacoby, Heinrich von Gagern, Friedrich Daniel Bassermann und Hoffmann von Fallersleben. 1843 legte Itzstein dem Kreis eine Abschrift der geheimen Wiener Ministerialbeschlüsse des Deutschen Bundes von 1834 vor; ihre Veröffentlichung sorgte für großes Aufsehen. Seine Anhänger nannten ihn „Vater Itzstein“, wegen der Nähe zu Metternichs Schloss Johannisberg hieß er auch der „liberale Metternich“.

Förderer Friedrich Heckers

Einen jungen Mannheimer Advokaten nahm Itzstein unter seine Fittiche: Friedrich Hecker. Er führte ihn in den Hallgartenkreis ein, 1842 kam Hecker auf seine Empfehlung in die Zweite Kammer. Itzstein wurde Pate der drei Hecker-Kinder. 1845 reisten die beiden nach Norddeutschland, wo Preußen sie auswies, was ihre Popularität in Baden weiter steigerte. Politisch blieb Itzstein gemäßigter als sein Schützling und galt als großdeutscher Demokrat der gemäßigten Linken.

1848 und die letzten Jahre

Im Oktober 1847 nahm Itzstein an der Heppenheimer Tagung teil. Im März 1848 gehörte er zu den Initiatoren der Offenburger Volksversammlung, die das Kapitel Der Funke der Freiheit beschreibt. Er organisierte die Heidelberger Versammlung vom 5. März, aus der die Einladung zum Vorparlament hervorging. Dort war er Vizepräsident, danach saß er im Fünfzigerausschuss und für den Wahlkreis Bretten in der Frankfurter Nationalversammlung. Bei der Wahl des Reichsverwesers am 29. Juni 1848 erhielt er 32 Stimmen gegen Erzherzog Johann.

1849 ging er mit dem Rumpfparlament nach Stuttgart. Wegen angeblicher Beteiligung am badischen Aufstand wurde er des Hochverrats angeklagt und floh in die Schweiz und ins Elsass. Nach seinem Freispruch durch das Hofgericht Bruchsal kehrte er Ende 1850 nach Hallgarten zurück. Dort starb er am 14. September 1855, zwei Wochen vor seinem 80. Geburtstag.

Verbindungen

  • Lorenz Brentano

    Mitstreiter

    Lorenz Brentano 1813–1891

    Brentano kam aus Itzsteins Kreis in die Zweite Kammer

  • Karl von Rotteck

    Mitstreiter

    Karl von Rotteck 1775–1840

    Liberale Wortführer der Zweiten Kammer

  • Friedrich Hecker

    Vorbild

    Friedrich Hecker 1811–1881

    Hecker gehörte zum Kreis um Itzstein

Johann Adam von Itzstein in der Badischen Revolution

  1. Frühes 19. JahrhundertDer Vormärz

    Der Vormärz in Baden: Zensur, die Verfassung von 1818, Hunger und Karlsbader Beschlüsse – wie diese Epoche den Boden für die Revolution 1848/49 bereitete.

Quellen und Literatur

  1. Josef Roßkopf: Itzstein, Johann Adam. In: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 206.
  2. Friedrich von Weech: Itzstein, Johann Adam von. In: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 649-650.
  3. https://www.deutsche-biographie.de/pnd11721292X.html

Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND

Zum Weiterlesen

  • Frank Engehausen, Jörg Bong (Hg.)

    Mehr als Einigkeit und Recht und Freiheit. Demokratische Reden in der Frankfurter Nationalversammlung

    Reden der Demokraten in der Frankfurter Nationalversammlung, der auch Itzstein angehörte.

    Köln 2024 · ISBN 9783462500134

  • Annette Borchardt-Wenzel

    Kleine Geschichte Badens

    Handlicher Überblick über die badische Geschichte und ihre liberale Verfassungstradition.

    Regensburg 2026 · ISBN 9783791736693

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