Karl von Rotteck

Karl von Rotteck

1775–1840 Liberaler Wortführer im Ständehaus Liberal

Karl von Rotteck war Historiker und einer der einflussreichsten liberalen Politiker im Karlsruher Ständehaus. In der Zweiten Kammer setzte er sich, gemeinsam mit Wegbegleitern wie Itzstein und dem jüngeren Hecker, für Bürgerrechte und eine Beschränkung der fürstlichen Macht ein. Als einer der intellektuellen Köpfe der liberalen Bewegung prägte Rotteck das politische Klima, in dem später die 13 Forderungen des Volkes und die Revolution von 1848 entstehen konnten.

  • Geboren18.7.1775
  • Gestorben26.11.1840
  • GeburtsortFreiburg im Breisgau
  • WirkungsortFreiburg im Breisgau, Karlsruher Ständehaus
  • Rolle / FunktionLiberaler Wortführer im Ständehaus
  • BerufHistoriker, Professor, Staatsrechtler, Politiker

Herkunft und Professur

Karl von Rotteck wurde am 18. Juli 1775 im damals vorderösterreichischen Freiburg im Breisgau geboren. Seine Familie war erst 1789 in den Adelsstand erhoben worden. Ab 1790 studierte er in seiner Heimatstadt die Rechte und wurde 1797 promoviert. Nach kurzer Tätigkeit beim Freiburger Magistrat erhielt er 1798 eine Professur für Weltgeschichte an der Universität. 1818 übernahm er auf eigenen Wunsch den Lehrstuhl für Staatswissenschaften und Naturrecht in der juristischen Fakultät.

Geschichtsschreiber für ein breites Publikum

Bekannt wurde Rotteck vor allem als Autor. Seine „Allgemeine Geschichte vom Anfang der historischen Kenntniß bis auf unsere Zeit“ erschien ab 1812 in neun Bänden, eine gekürzte „Allgemeine Weltgeschichte für alle Stände“ ab 1830. Das Werk wurde zu einem Bestseller des 19. Jahrhunderts. Rotteck hing zeitlebens den Ideen der Französischen Revolution an und schrieb bewusst auch für Leser außerhalb der Gelehrtenwelt. Ab 1834 gab er mit seinem Freiburger Kollegen Carl Theodor Welcker das „Staats-Lexikon“ heraus, das zum großen Nachschlagewerk des vormärzlichen Liberalismus wurde.

Wortführer im Ständehaus

Als Vertreter seiner Universität saß Rotteck 1819/20 und 1822/23 in der Ersten Kammer des badischen Landtags. Von 1831 bis zu seinem Tod gehörte er der Zweiten Kammer an. Dort stieg er neben Johann Adam von Itzstein zum gefeierten Wortführer der liberalen Opposition auf. Er kämpfte für die Abschaffung von Zehnt und Herrenfronden und für volle Pressefreiheit. 1835 sprach er sich gegen den Beitritt Badens zum Deutschen Zollverein aus, weil er eine „Borussifizierung“ der badischen Politik fürchtete. Wie das Ständehaus zur Bühne der Opposition wurde, schildert das Kapitel über die politische Ordnung Badens, die Zeit insgesamt das Kapitel über den Vormärz.

Sein Liberalismus hatte Grenzen. In den Judendebatten von 1831 und 1833 verteidigte er zwar die bestehenden Rechte der Juden, führte aber die Mehrheit an, die ihre volle bürgerliche Gleichstellung ablehnte. Auch eine politische Beteiligung von Frauen lehnte er ab.

Konflikt mit der Regierung

Nach den Bundesbeschlüssen vom Juni 1832 musste Großherzog Leopold das gerade erlassene liberale Pressegesetz zurücknehmen. Die Regierung ging nun gegen die Freiburger Professoren vor. Am 13. November 1832 versetzte sie Rotteck und Welcker wegen ihrer politischen Tätigkeit in den Ruhestand. Ihre Zeitung „Der Freisinnige“ fiel der Zensur zum Opfer. 1833 wählten die Freiburger Rotteck mit großer Mehrheit zum Bürgermeister. Die Regierung verweigerte die Bestätigung. Rotteck verzichtete, um der Stadt Nachteile zu ersparen, und an seiner Stelle wurde sein Neffe Joseph von Rotteck gewählt.

Tod und Nachwirkung

Erst 1840 hob die Regierung seine Zurruhesetzung auf. Am 26. November 1840 starb Rotteck in Freiburg. Mit Welcker gilt er als Gründergestalt des südwestdeutschen Liberalismus, seine Kammerreden fanden weit über Baden hinaus Beachtung. Die Themen, für die er gestritten hatte, allen voran die Pressefreiheit, standen 1847 wieder in den 13 Forderungen des Volkes. Friedrich Hecker, der sie vortrug, war erst 1842 in die Zweite Kammer gewählt worden, zwei Jahre nach Rottecks Tod. In Freiburg erinnern der Rotteckring und ein Gymnasium an ihn.

Verbindungen

Karl von Rotteck in der Badischen Revolution

  1. In den 1840er JahrenDie „politische Ordnung“ Badens

    Das Großherzogtum Baden im Vormärz: liberale Verfassung, das Ständehaus in Karlsruhe und der Druck des Deutschen Bundes – das Machtgefüge vor der Revolution 1848.

Quellen und Literatur

  1. Manfred Friedrich: Rotteck, Karl Wenceslaus Rodeckher von. In: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 138-140.
  2. Friedrich von Weech: Rotteck, Karl Wenzeslaus Rodecker von. In: Allgemeine Deutsche Biographie 29 (1889), S. 385-389.
  3. Hermann Kopf: Karl von Rotteck. Zwischen Revolution und Restauration. Rombach, Freiburg 1980.
  4. https://www.deutsche-biographie.de/pnd118603329.html

Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND

Zum Weiterlesen

  • Jörg Bong

    Die Flamme der Freiheit. Die deutsche Revolution 1848/1849

    Erzählt, wie aus den liberalen Forderungen des Vormärz 1848 die Revolution wurde.

    Köln 2022 · ISBN 9783462003130

  • Annette Borchardt-Wenzel

    Kleine Geschichte Badens

    Handlicher Überblick über die badische Geschichte und ihre liberale Verfassungstradition.

    Regensburg 2026 · ISBN 9783791736693

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