
Friedrich Hecker
Friedrich Hecker, geboren 1811, war Rechtsanwalt und schärfster Redner der liberalen Opposition im Karlsruher Ständehaus. 1847 formulierte er mit Gustav Struve im Offenburger „Salmen" die 13 Forderungen des Volkes. 1848 rief er zum bewaffneten Aufstand auf; der Heckerzug endete am 20. April bei Kandern in einer Niederlage. Hecker floh in die Schweiz, wanderte in die USA aus, wurde Farmer in Illinois und kämpfte im Bürgerkrieg als Offizier gegen die Sklaverei.
- Geboren28.9.1811
- Gestorben24.3.1881
- GeburtsortEichtersheim
- WirkungsortMannheim, Konstanz, Illinois (USA)
- Rolle / FunktionAnführer des Heckerzugs
- BerufRechtsanwalt, Politiker, später Farmer und Offizier (USA)
Herkunft und Ausbildung
Friedrich Hecker kam am 28. September 1811 in Eichtersheim im Kraichgau zur Welt, als Sohn eines Rentamtmanns der Freiherren von Venningen. Er besuchte das Lyceum in Mannheim und studierte von 1830 bis 1834 Rechtswissenschaft in Heidelberg, wo ihn vor allem der Strafrechtler Karl Joseph Mittermaier prägte. Nach der Promotion und einem Aufenthalt in Paris, bei dem er öffentliche Gerichtsverfahren und die französische Kammer erlebte, ließ er sich in Mannheim nieder. 1838 wurde er dort Advokat am Hofgericht. Im selben Jahr lernte er seinen Kollegen Gustav Struve kennen.
Wortführer der Opposition im Ständehaus
Den Weg in die Politik ebnete ihm Johann Adam von Itzstein, der ihn in den Hallgartenkreis der liberalen Oppositionspolitiker einführte. 1842 zog Hecker in den Mannheimer Gemeinderat und, auf Itzsteins Empfehlung, in die Zweite Kammer des badischen Landtags in Karlsruhe ein. Dort wurde er rasch zum bekanntesten Redner der Opposition. Er trat für Pressefreiheit, Schwurgerichte und die rechtliche Gleichstellung der Juden ein und rückte in den 1840er Jahren immer weiter nach links: weg von der konstitutionellen Monarchie, hin zur Republik.
Am 12. September 1847 trug Hecker bei der Offenburger Versammlung im Gasthaus „Salmen“ die 13 Forderungen des Volkes vor, die er gemeinsam mit Gustav Struve ausgearbeitet hatte. Unter dem Eindruck der Hungerjahre 1846/47 verlangte er darin nicht nur Freiheitsrechte, sondern auch einen Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit.
Vom Vorparlament zum Heckerzug
Nach der Februarrevolution in Paris gehörte Hecker im März 1848 zu den Rednern der zweiten Offenburger Volksversammlung und saß im Frankfurter Vorparlament. Dort scheiterten er und Struve mit dem Plan, die Versammlung dauerhaft tagen zu lassen und die Macht zu übernehmen; in den Fünfzigerausschuss wurden beide nicht gewählt. Hecker zog daraus den Schluss, dass die Republik nur mit Waffen zu erreichen sei.
Am 13. April 1848 brach er mit wenigen Dutzend Männern von Konstanz auf, um durch den Schwarzwald nach Karlsruhe zu ziehen. Der Heckerzug wuchs auf rund 800 Freischärler an, blieb aber weit hinter Heckers Erwartungen zurück. Am 20. April stellten ihn Truppen des Deutschen Bundes auf der Scheideck bei Kandern. Die Freischärler unterlagen; auf der Gegenseite fiel General Friedrich von Gagern. Hecker floh nach Muttenz bei Basel.
Exil in Amerika
Im Juni 1848 wählte der Bezirk Tiengen Hecker in die Frankfurter Nationalversammlung, doch das Parlament verweigerte ihm den Sitz, auch nach einer zweiten Wahl. Anders als Struve hielt Hecker die Revolution nach Kandern für verloren. Im September 1848 fuhr er von Le Havre nach New York und kaufte eine Farm bei Belleville in Illinois, wo er Vieh züchtete und Wein anbaute. Als im Mai 1849 in Baden erneut der Aufstand ausbrach, reiste er noch einmal nach Europa, kam aber zu spät: Die Revolution brach zusammen, bevor er eingreifen konnte.
In den USA gehörte Hecker zu den „Forty-Eighters“. Er schloss sich der Republikanischen Partei an, warb für Abraham Lincoln und kämpfte im Bürgerkrieg für die Union, zuerst als Oberst des 24., dann als Kommandeur des 82. Illinois-Infanterieregiments. In der Schlacht bei Chancellorsville wurde er im Mai 1863 schwer verwundet. Deutschland besuchte er nur noch einmal, 1873. Friedrich Hecker starb am 24. März 1881 auf seiner Farm in Summerfield, Illinois.
Nachwirkung
Militärisch war der Heckerzug ein Fehlschlag, politisch machte er Hecker zur Symbolfigur der südwestdeutschen Demokraten. „Heckerhut“ und „Heckerlied“ verbreiteten sich weit über Baden hinaus. Bis heute tragen Schulen und Straßen von Konstanz bis Mannheim seinen Namen.
Verbindungen

Mitstreiter
Georg Herwegh 1817–1875
Herweghs Legion aus Paris zog 1848 zur Unterstützung nach Baden

Mitstreiter
Franz Sigel 1824–1902
Sigel führte im April 1848 eine eigene Kolonne


Gegenspieler
Friedrich von Gagern 1794–1848
Gefecht bei Kandern, 20. April 1848
Gemeinsam in: Der Heckerzug

Gegenspieler
Großherzog Leopold von Baden 1790–1852

Anhänger
Johann Adam von Itzstein 1775–1855
Hecker gehörte zum Kreis um Itzstein
Friedrich Hecker in der Badischen Revolution
- 1847Die Forderungen des Volkes
Die 13 Forderungen des Volkes von 1847: Wie Hecker und Struve im Offenburger „Salmen“ das erste demokratische Grundrechteprogramm Deutschlands verkündeten.
- April 1848Der Heckerzug
Der Heckerzug 1848: Wie Friedrich Hecker von Konstanz aus in den Schwarzwald zog – und das Scheitern bei Kandern die Republik kostete.
Quellen und Literatur
- Sabine Freitag: Friedrich Hecker. Biographie eines Republikaners. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1998.
- Friedrich Hecker: Die Erhebung des Volkes in Baden für die deutsche Republik im Frühjahr 1848. Schabelitz, Basel 1848.
- Wolfgang von Hippel: Revolution im deutschen Südwesten. Das Großherzogtum Baden 1848/49. Kohlhammer, Stuttgart 1998.
- https://www.deutsche-biographie.de/pnd11854750X.html