
Gustav Struve
Gustav Struve war Publizist und der kompromisslose Kopf der badischen Radikaldemokraten. Im September 1847 verkündete er mit Friedrich Hecker im Offenburger „Salmen" die 13 Forderungen des Volkes und forderte die Republik. Nach dem gescheiterten Heckerzug rief er im September 1848 in Lörrach die „Deutsche Republik" aus. Der Struve-Putsch scheiterte am 24. September bei Staufen; Struve wurde mit seiner Frau Amalie verhaftet und wegen Hochverrats angeklagt.
- Geboren11.10.1805
- Gestorben21.8.1870
- GeburtsortMünchen
- WirkungsortMannheim, Lörrach
- Rolle / FunktionAnführer des Struve-Putsches
- BerufRechtsanwalt, Publizist
Diplomatensohn und Jurist
Gustav von Struve wurde am 11. Oktober 1805 in München geboren. Sein Vater stand als Diplomat in russischen Diensten; die Familie lebte in Stuttgart, wo Gustav zur Schule ging, bevor er ans Lyzeum nach Karlsruhe wechselte. Er studierte Rechtswissenschaft in Göttingen und Heidelberg und trat 1827 in den Dienst des Großherzogtums Oldenburg, zunächst an dessen Gesandtschaft beim Bundestag in Frankfurt. Mit seinen Ansichten eckte er in Diplomatenkreisen an, auch im Justizdienst wurde er nicht glücklich. 1833 ging er nach Mannheim, wo er 1836 als Advokat am Obergericht zugelassen wurde.
Publizist gegen die Zensur
In Mannheim fand Struve seine eigentliche Rolle: als Publizist. Neben juristischen Schriften veröffentlichte er Bücher zur damals populären Phrenologie. Von Mitte 1845 bis Ende 1846 leitete er das „Mannheimer Journal“ und legte sich dort fortwährend mit der Zensur an. Politisch wandte er sich immer deutlicher radikaldemokratischen und frühsozialistischen Positionen zu.
Im November 1845 heiratete er die Mannheimerin Amalie Düsar. Die Ehe galt als nicht standesgemäß und entzweite ihn mit seiner Familie. Das Paar trat zum Deutschkatholizismus über und lebte vegetarisch; 1847 legte Struve den Adelstitel ab. Amalie blieb bis zu ihrem Tod seine engste politische Mitstreiterin.
Offenburg, Vorparlament und Heckerzug
Die Idee zu einer Versammlung der „entschiedenen Freunde der Verfassung“ hatte Struve schon im Januar 1847. Am 12. September 1847 trafen sie sich im Offenburger „Salmen“, wo Friedrich Hecker die gemeinsam formulierten 13 Forderungen des Volkes vortrug. Im Frühjahr 1848 forderte Struve offen eine föderative Republik nach amerikanischem Vorbild und stellte im Frankfurter Vorparlament einen radikaldemokratischen Antrag, der keine Mehrheit fand.
Beim Heckerzug im April 1848 warb Struve im Klettgau Freischärler an. Nach der Niederlage bei Kandern floh er in die Schweiz, kehrte aber sofort zurück und geriet in das Gefecht bei Günterstal vor Freiburg. Anders als Hecker gab er die Revolution nicht verloren.
Der Struve-Putsch
Am 21. September 1848 zog Struve mit rund 50 Mann von Basel nach Lörrach, ließ die rote Fahne hissen und rief vom Rathausbalkon die „Deutsche Republik“ aus, unter der Losung „Wohlstand, Bildung, Freiheit für alle!“. Sein Zug nach Karlsruhe, dem sich Tausende Freischärler anschlossen, kam nur bis Staufen. Dort schlugen großherzogliche Truppen den Struve-Putsch am 24. September nieder. Auf der Flucht in die Schweiz wurden Gustav und Amalie Struve in Wehr festgenommen.
Ein Schwurgericht in Freiburg verurteilte Struve am 30. März 1849 wegen versuchten Hochverrats zu acht Jahren Zuchthaus, umgewandelt in fünf Jahre und vier Monate Einzelhaft. Anfang April kam er in die Festung Rastatt.
1849: Befreiung und Bruch mit Brentano
Als im Mai-Aufstand 1849 die Rastatter Garnison meuterte, wurde Struve nach Bruchsal verlegt und dort in der Nacht darauf von Revolutionären befreit. An der provisorischen Regierung unter Lorenz Brentano war er nicht beteiligt. Mit anderen Radikalen gründete er den „Club des entschiedenen Fortschritts“ als Opposition gegen Brentanos vorsichtigen Kurs. Nach dem Sieg der preußischen Truppen floh er im Juli 1849 in die Schweiz.
Amerika und späte Jahre
Aus der Schweiz ausgewiesen, gingen die Struves über Frankreich und England 1851 nach New York. Struve gab Zeitungen heraus, schrieb an einer mehrbändigen Weltgeschichte, warb für Abraham Lincoln und diente im Bürgerkrieg im 8. New Yorker Freiwilligen-Infanterieregiment, zuletzt als Hauptmann. 1862 starb Amalie. Nach der badischen Amnestie kehrte Struve 1863 nach Europa zurück, lebte in Stuttgart und Coburg und gehörte zu den Gründern der vegetarischen Bewegung in Deutschland. Er starb am 21. August 1870 in Wien.
Verbindungen

Mitstreiter
Amand Goegg 1820–1897
Radikaler Flügel 1849

Gegenspieler
Lorenz Brentano 1813–1891
Rivalen im Revolutionslager 1849
Gustav Struve in der Badischen Revolution
- September 1848Der Struve-Putsch
Der Struve-Putsch im September 1848: Wie Gustav und Amalie Struve in Lörrach die Republik ausriefen – und in Staufen scheiterten.
Quellen und Literatur
- Gustav Struve: Geschichte der drei Volkserhebungen in Baden. Jenni, Bern 1849.
- Irmtraud Götz von Olenhusen: Gustav Struve – Amalie Struve. Wohlstand, Bildung und Freiheit für alle. In: Sabine Freitag (Hrsg.): Die Achtundvierziger. Lebensbilder aus der deutschen Revolution 1848/49. C. H. Beck, München 1998.
- Wolfgang von Hippel: Revolution im deutschen Südwesten. Das Großherzogtum Baden 1848/49. Kohlhammer, Stuttgart 1998.
- https://www.deutsche-biographie.de/pnd118799207.html