Amalie Struve

Amalie Struve

1824–1862 Aktivistin des Struve-Putsches, Symbolfigur des weiblichen Widerstands Republikaner

Amalie Struve, Ehefrau Gustav Struves, war eine der profiliertesten politischen Aktivistinnen und Publizistinnen der Revolutionszeit. Beim Struve-Putsch im September 1848 stand sie ihrem Mann in Lörrach zur Seite und wurde nach dem Scheitern bei Staufen mit ihm verhaftet. Ab Mai 1849 saß sie in der Festung Rastatt in Haft, schmuggelte Briefe und Flugblätter hinaus, rief badische Frauen zur Organisation auf und wurde zur Symbolfigur des weiblichen Widerstands.

  • Geboren2.10.1824
  • Gestorben13.2.1862
  • GeburtsortMannheim
  • WirkungsortLörrach, Rastatt, New York (Exil)
  • Rolle / FunktionAktivistin des Struve-Putsches, Symbolfigur des weiblichen Widerstands
  • BerufSchriftstellerin, Publizistin, Frauenrechtlerin

Herkunft

Amalie Struve wurde am 2. Oktober 1824 in Mannheim als uneheliche Tochter von Elisabeth Siegrist geboren. 1827 adoptierte sie ihr Stiefvater, der Sprachlehrer Friedrich Düsar, und ermöglichte ihr eine gute Schulbildung. Als junge Frau trug sie als Erzieherin und Lehrerin für Deutsch und Französisch zum Unterhalt der Familie bei.

Am 16. November 1845 heiratete sie den Mannheimer Advokaten und Publizisten Gustav Struve. Seine adlige Familie lehnte die Verbindung ab. Das Paar trat 1846 zum Deutschkatholizismus über, einer Reformbewegung, die Konfessionen und moderne Wissenschaft versöhnen wollte. Dass Gustav 1847 seinen Adelstitel ablegte, wird auch ihrem Einfluss zugeschrieben: Amalie galt als ungewöhnlich selbstbewusst und stand der frühen Frauenbewegung nahe.

Mitten in der Revolution

Amalie Struve war keine Begleiterin am Rand, sondern selbst Akteurin. Sie zog im April 1848 mit dem Heckerzug und ging nach der Niederlage bei Kandern mit ihrem Mann und Friedrich Hecker vorübergehend in die Schweiz. Anders als Hecker kehrten die Struves zurück. Beim Struve-Putsch im September 1848 in Lörrach stand sie an der Seite ihres Mannes und warb gezielt Frauen für die Sache der Republik.

Nach der Niederlage bei Staufen wurde sie mit Gustav auf der Flucht in Wehr festgenommen. Von September 1848 bis April 1849 saß sie 205 Tage in Einzelhaft im Freiburger Gefängnisturm.

Agitation im Mai 1849

Kaum entlassen, agitierte Amalie Struve wieder, diesmal in der Reichsverfassungskampagne. Ihre Agitation trug wesentlich dazu bei, dass die badische Garnison der Bundesfestung Rastatt im Mai-Aufstand 1849 meuterte. In der Folge wurde ihr Mann befreit, und Großherzog Leopold floh aus dem Land. Auch an den Kämpfen gegen die preußischen Truppen im Sommer 1849 beteiligte sie sich. Als die Revolution im Juli 1849 zusammenbrach, floh sie mit Gustav in die Schweiz.

Schriftstellerin im Exil

Über die Schweiz und England gelangte das Paar nach New York. Noch in Europa schrieb Amalie Struve ihre Erfahrungen nieder: 1850 erschienen in Hamburg die „Erinnerungen aus den badischen Freiheitskämpfen“, ausdrücklich „den deutschen Frauen gewidmet“. In den USA gehörte sie zu den „Forty-Eighters“ und arbeitete vor allem als Schriftstellerin. Sie schrieb Romane und Artikel über das Frauenstimmrecht, über Erziehung und die Bildung von Mädchen und Frauen sowie über das Leben von Auswandererfamilien. Ihr Roman „Eine Proletarierin“ erschien 1858 in der New Yorker Arbeiterzeitung „Sociale Republik“.

Amalie Struve starb am 13. Februar 1862 in New York, nach der Geburt ihrer dritten Tochter. Sie wurde nur 37 Jahre alt.

Erinnerung

Lange stand Amalie Struve im Schatten ihres Mannes. Heute gilt sie als eine der wichtigsten Frauen der Revolution von 1848/49 und als frühe Vorkämpferin für Frauenrechte in Deutschland und den USA. In Offenburg und anderen Städten sind Straßen nach ihr benannt, in Rastatt trägt eine Kindertagesstätte ihren Namen.

Verbindungen

Amalie Struve in der Badischen Revolution

  1. September 1848Der Struve-Putsch

    Der Struve-Putsch im September 1848: Wie Gustav und Amalie Struve in Lörrach die Republik ausriefen – und in Staufen scheiterten.

  2. April 1849Die verschmähte Krone

    Die Ablehnung der Kaiserkrone 1849: Warum Friedrich Wilhelm IV. die vom Volk angebotene Krone ausschlug – und wie sein „Nein" den Mai-Aufstand in Baden entfachte.

Quellen und Literatur

  1. Amalie Struve: Erinnerungen aus den badischen Freiheitskämpfen. Den deutschen Frauen gewidmet. Hoffmann und Campe, Hamburg 1850.
  2. Marion Freund: Struve, Amalie. In: Neue Deutsche Biographie, Band 25, Duncker & Humblot, Berlin 2013, S. 601.
  3. Irmtraud Götz von Olenhusen: Gustav Struve – Amalie Struve. Wohlstand, Bildung und Freiheit für alle. In: Sabine Freitag (Hrsg.): Die Achtundvierziger. Lebensbilder aus der deutschen Revolution 1848/49. C. H. Beck, München 1998.
  4. https://www.deutsche-biographie.de/pnd117349062.html

Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND

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