
Georg Herwegh
Georg Herwegh war ein in Deutschland verbotener, aber gefeierter politischer Dichter im Pariser Exil. Beflügelt vom Sturz des französischen Königs im Februar 1848 gründete er dort mit anderen Exilanten die Deutsche Demokratische Legion. Sein Plan: eine bewaffnete Truppe aus Handwerkern und Arbeitern über den Rhein zu führen und die Republik zu bringen. Friedrich Hecker hoffte beim Heckerzug vergeblich auf ihr rechtzeitiges Eintreffen, um eine zweite Front zu eröffnen.
- Geboren31.5.1817
- Gestorben7.4.1875
- GeburtsortStuttgart
- WirkungsortParis, Zürich (Exil)
- Rolle / FunktionPräsident der Deutschen Demokratischen Legion
- BerufDichter, Publizist
Herkunft und Flucht in die Schweiz
Georg Herwegh wurde am 31. Mai 1817 in Stuttgart geboren, als Sohn des Gastwirts Ludwig Ernst Herwegh. Nach dem Evangelischen Seminar in Maulbronn begann er 1835 als Stipendiat des Tübinger Stifts ein Theologiestudium, wurde aber schon 1836 aus dem Stift verwiesen. Danach schrieb er in Stuttgart für Zeitschriften, unter anderem für August Lewalds „Europa“. 1839 floh er in die Schweiz: Er hatte auf einem Maskenball einen württembergischen Offizier beleidigt, und ihm drohte der Militärdienst.
Der gefeierte Dichter des Vormärz
Von Zürich aus wurde Herwegh 1841 mit einem Schlag berühmt. Seine „Gedichte eines Lebendigen“ verbanden revolutionäre Gesinnung mit einem volkstümlichen Ton und wurden in Preußen sofort verboten. Heinrich Heine nannte ihn in einem Gedicht spöttisch die „eiserne Lerche“. 1842 reiste Herwegh durch Deutschland und wurde sogar vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. empfangen. Kurz darauf ließ der König die geplante Zeitschrift des Dichters verbieten und wies ihn nach einem offenen Brief aus Preußen aus.
1843 heiratete Herwegh Emma Siegmund, die Tochter eines Berliner Bankiers. Im selben Jahr erwarb er das Bürgerrecht von Augst im Kanton Basel-Landschaft und zog nach Paris. Dort verkehrte er mit Karl Marx, Michail Bakunin und anderen Exilanten.
Die Legion aus Paris 1848
Nach der Februarrevolution 1848 wurde Herwegh Präsident der Deutschen Demokratischen Gesellschaft, die Adelbert von Bornstedt in Paris gegründet hatte, und der aus ihr hervorgegangenen Deutschen Demokratischen Legion. Die Freiwilligen waren meist Handwerker und Arbeiter aus dem deutschen Exil, die in der Heimat für die Republik kämpfen wollten (siehe Der Funke der Freiheit). Marx und Engels rieten von dem Unternehmen ab. Herwegh zog trotzdem los, um den Aufständischen um Friedrich Hecker zu Hilfe zu kommen. Das militärische Kommando lag bei ehemaligen Offizieren.
Am Ostermontag, dem 24. April 1848, setzte die Legion mit rund 650 Mann nördlich von Kleinkems über den Rhein. Da war der Heckerzug bereits geschlagen; von der Niederlage auf der Scheideck erfuhr Herwegh erst in Kandern. Die Legion versuchte noch, die Freischar Franz Sigels bei Todtnau zu erreichen, und wandte sich dann Richtung Schweiz. Am 27. April stellte sie eine Kompanie württembergischer Infanterie unter Hauptmann Friedrich von Lipp bei Dossenbach nahe Schopfheim. Obwohl die Legionäre in der Überzahl waren, unterlagen sie. Herwegh und seine Frau Emma, die den Zug begleitet hatte, entkamen mit Hilfe eines Gastwirts aus Karsau: Er schickte beide in Arbeitskleidern aufs Feld und brachte sie abends auf einem Mistwagen nach Rheinfelden in der Schweiz.
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Exil und Arbeiterbewegung
Mit Marx und Engels hatte er sich über die Legion überworfen. In den 1850er Jahren war sein Haus in Zürich ein Treffpunkt für Richard Wagner, Gottfried Semper und Franz Liszt. 1863 wurde Herwegh Bevollmächtigter des neu gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins in der Schweiz und schrieb dessen Bundeslied mit den bekannten Zeilen „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“. 1866 kehrte er nach Deutschland zurück. Er schloss sich 1869 der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei an und griff im „Volksstaat“ den preußischen Militarismus und den Krieg von 1870/71 an.
Tod und Nachwirkung
Georg Herwegh starb am 7. April 1875 in Lichtental bei Baden-Baden. Auf seinen Wunsch brachte ihn Emma Herwegh nach Liestal im Kanton Basel-Landschaft, um ihn in republikanischer Erde zu begraben. Ein großer Teil des Nachlasses der beiden liegt heute im Dichter- und Stadtmuseum Liestal. Auf dem Friedhof von Oberdossenbach steht seit 1870 ein Gedenkstein für die gefallenen Legionäre; zur Einweihung war Herwegh eingeladen, kam aber nicht.
Verbindungen

Mitstreiter
Friedrich Hecker 1811–1881
Herweghs Legion aus Paris zog 1848 zur Unterstützung nach Baden
Georg Herwegh in der Badischen Revolution
- Frühjahr 1848Der Funke der Freiheit
Wie die Revolution 1848 in Baden ausbrach: Von Herweghs Legion in Paris bis zur Offenburger Versammlung und den Märzforderungen.
Quellen und Literatur
- Martin Glaubrecht: Herwegh, Georg Friedrich Rudolf Theodor Andreas. In: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 723-726.
- Ulrich Enzensberger: Herwegh. Ein Heldenleben. Eichborn, Frankfurt am Main 1999.
- Georg Herwegh: Gedichte eines Lebendigen. Zürich 1841.
- https://www.deutsche-biographie.de/pnd118550128.html
Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND
Zum Weiterlesen

Emma Herwegh
Es lebe die demokratische Republik
Erinnerungen seiner Frau Emma an den Zug der Legion, die Georg Herwegh 1848 anführte.
Köln 2023 · ISBN 9783462500011

Jörg Bong
Die Flamme der Freiheit. Die deutsche Revolution 1848/1849
Erzählt das erste Revolutionsjahr 1848 mit den badischen Demokraten im Mittelpunkt.
Köln 2022 · ISBN 9783462003130

Christopher Clark
Frühling der Revolution. Europa 1848/49 und der Kampf für eine neue Welt
Ordnet den Zug der Deutschen Legion in die europäische Revolution von 1848 ein.
München 2025 · ISBN 9783570555101
