Johann Philipp Becker
Johann Philipp Becker, zeitgenössische Darstellung, unbekannter Künstler. Gemeinfrei, Wikimedia Commons.

Johann Philipp Becker

1809–1886 Befehlshaber der badischen Volkswehr 1849 Republikaner

Johann Philipp Becker, geboren 1809 im pfälzischen Frankenthal, war Bürstenbinder und radikaler Demokrat, der 1832 auf dem Hambacher Fest sprach und ab 1838 in der Schweiz lebte. 1848 zog er mit Freischärlern nach Baden. 1849 baute er als Befehlshaber die badische Volkswehr auf und deckte mit dem Gefecht bei Durlach den Rückzug der Revolutionsarmee. Später gehörte er in Genf zu den führenden Köpfen der Ersten Internationale.

  • Geboren20.3.1809
  • Gestorben9.12.1886
  • GeburtsortFrankenthal (Pfalz)
  • WirkungsortFrankenthal, Biel, Karlsruhe, Genf
  • Rolle / FunktionBefehlshaber der badischen Volkswehr 1849
  • BerufBürstenbinder, Kaufmann, Publizist

Bürstenbinder und Demokrat aus der Pfalz

Johann Philipp Becker wurde im März 1809 in Frankenthal in der Pfalz geboren, das damals zu Frankreich gehörte. Sein Vater war Schreiner, er selbst lernte das Handwerk des Bürstenbinders. Schon als junger Mann engagierte er sich für die demokratische Bewegung. Er schloss sich dem pfälzischen Publizisten Philipp Jakob Siebenpfeiffer an und sprach 1832 auf dem Hambacher Fest für die Volksbewaffnung. Polizei und Gerichte verfolgten ihn deshalb wiederholt, 1833 wurde er zwar freigesprochen, saß danach aber elf Monate in Haft.

Exil in der Schweiz

1838 zog Becker mit seiner Familie in die Schweiz, zunächst nach Bern, dann nach Biel. Die Stadt war ein Sammelpunkt geflüchteter Revolutionäre. Becker wurde Schweizer Bürger und brachte es als Teilhaber einer Zigarrenfabrik zu bescheidenem Wohlstand, den er in der Wirtschaftskrise von 1847 wieder verlor. Im Sonderbundskrieg 1847 diente er als Adjutant auf der Seite der liberalen Kantone und sammelte dort militärische Erfahrung.

Freischärler 1848

Als Friedrich Hecker im April 1848 zum Aufstand rief, zog Becker mit rund 50 Freischärlern aus der Schweiz nach Baden. Nach dem Scheitern des Heckerzugs schloss er sich der Schar von Franz Sigel an, die vor Freiburg zurückgeschlagen wurde. Auch den Struve-Putsch im September 1848 unterstützte er. Danach gab er in der Schweiz die Zeitung „Die Revolution“ heraus.

Befehlshaber der Volkswehr 1849

Nach dem Mai-Aufstand 1849 eilte Becker nach Karlsruhe. Der Landesausschuss übertrug ihm den Aufbau der Volkswehr, in der alle ledigen Männer zwischen 18 und 30 Jahren dienen sollten. Sein erster Tagesbefehl datiert vom 21. Mai. Gegen viele Widerstände entstanden knapp 25 Bataillone, etwa die Hälfte des Geplanten. Politisch stand Becker auf dem radikalen Flügel. Mit Gustav Struve führte er den „Klub des entschiedenen Fortschritts“, der von der Regierung unter Lorenz Brentano ein entschlosseneres Vorgehen verlangte.

Im Feldzug gegen die preußischen Interventionstruppen befehligte Becker zunächst Einheiten im Odenwald und am Neckar, wo ihm ein erfolgreicher Nachtangriff auf Hirschhorn gelang. Am 25. Juni 1849 hielt er bei Durlach mit kaum 1.000 Mann über Stunden eine preußische Division auf und deckte so den Rückzug der Armee aus Karlsruhe. An der Murglinie führte er den linken Flügel vor Rastatt. Nach der Niederlage ging er zurück in die Schweiz.

Genf und die Internationale

In Genf schrieb Becker noch 1849 mit Christian Essellen eine „Geschichte der süddeutschen Mai-Revolution“, auf die sich später auch Friedrich Engels stützte. Wirtschaftlich blieb er erfolglos und wechselte oft den Beruf. 1860 warb er in Genua Freiwillige für Giuseppe Garibaldi. Im selben Jahr kam er in Verbindung mit Karl Marx, mit Engels war er schon seit 1849 bekannt. 1864 gehörte er zu den Gründern der Internationalen Arbeiterassoziation und leitete ab 1867 in Genf deren Sektionsgruppe deutscher Sprache. Johann Philipp Becker starb im Dezember 1886 in Genf.

Quellen und Literatur

  1. Karl Griewank: Becker, Johann Philipp. In: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 717 bis 718.
  2. Johann Philipp Becker, Christian Essellen: Geschichte der süddeutschen Mai-Revolution des Jahres 1849. Genf 1849.
  3. Rolf Dlubek: Johann Philipp Becker. Vom radikalen Demokraten zum Mitstreiter von Marx und Engels. Berlin 1964.
  4. https://www.deutsche-biographie.de/pnd116104198.html

Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND

Zum Weiterlesen

  • Christopher Clark

    Frühling der Revolution. Europa 1848/49 und der Kampf für eine neue Welt

    Große Gesamtschau der europäischen Revolution von 1848/49, von den ersten Aufständen bis zur Niederlage.

    München 2025 · ISBN 9783570555101

  • Annette Borchardt-Wenzel

    Kleine Geschichte Badens

    Handlicher Überblick über die badische Geschichte, in die sich die Revolution von 1848/49 einordnet.

    Regensburg 2026 · ISBN 9783791736693

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