Ernst Elsenhans

1815–1849 Herausgeber des „Festungsboten“ im belagerten Rastatt 1849 Republikaner

Ernst Elsenhans, geboren 1815 in Feuerbach bei Stuttgart, war Journalist in Mannheim und trat für Republik und sozialen Ausgleich ein. 1848 kam er wegen eines Aufrufs an die Soldaten in Haft, der Mai-Aufstand 1849 befreite ihn. In der belagerten Festung Rastatt gab er den „Festungsboten“ heraus. Nach der Kapitulation verurteilte ihn ein Standgericht zum Tode, am 7. August 1849 wurde er als Erster in Rastatt erschossen.

  • Geboren26.9.1815
  • Gestorben7.8.1849
  • GeburtsortFeuerbach (Württemberg)
  • WirkungsortTübingen, Mannheim, Heidelberg, Karlsruhe, Rastatt
  • Rolle / FunktionHerausgeber des „Festungsboten“ im belagerten Rastatt 1849
  • BerufJournalist, Publizist

Vom Theologiestudenten zum Journalisten

Ernst Elsenhans wurde am 26. September 1815 in Feuerbach bei Stuttgart geboren, als Sohn des Schultheißen Johannes Elsenhans. Nach dem Abitur studierte er Theologie in Tübingen und trat 1833 der Burschenschaft Germania bei. Dort kam er mit liberalen und revolutionären Ideen in Berührung, die sein weiteres Leben bestimmten. Er brach das Studium ab, arbeitete als Hauslehrer und Literat und wurde schließlich Journalist in Mannheim, unter anderem für die „Mannheimer Abendzeitung“. Hier lernte er auch Friedrich Hecker kennen.

Elsenhans verlangte nicht nur das Ende der Monarchie, sondern auch einen Umbau der Gesellschaft, der die großen sozialen Unterschiede ausgleichen sollte.

Haft wegen eines Aufrufs an die Soldaten

Im Juli 1848 rief Elsenhans in der Heidelberger Zeitung „Die Republik“ die Soldaten auf, den Gehorsam zu verweigern, wenn man ihnen befehle, gegen ihre Mitbürger oder die „Sache der Freiheit“ vorzugehen. Das Oberhofgericht in Mannheim verurteilte ihn wegen Anstiftung zum Hochverrat zu fünf Monaten Arbeitshaus und drei Monaten Festungshaft in Kißlau. Weil Gefangene ihr Essen selbst bezahlen mussten, hatte er bis November bereits 53 Gulden Schulden. Er erhielt Armenkost und erkrankte, im Januar 1849 wurde seine Strafe gemildert.

Der „Festungsbote“ von Rastatt

Der Mai-Aufstand 1849 brachte Elsenhans die Freiheit. Auf eigenen Wunsch setzte ihn Gustav Struve als zweiten Sekretär im Kriegsministerium der Revolutionsregierung ein. Später arbeitete er für den stellvertretenden Kriegsminister Enno Sander und gehörte dem Vorstand des „Clubs des entschiedenen Fortschritts“ an.

Als die Preußen Ende Juni 1849 die Festung Rastatt einschlossen, war Elsenhans unter den Verteidigern. Mit Zustimmung Sanders und des Festungsgouverneurs Gustav Tiedemann gab er vom 7. bis zum 22. Juli 1849 den „Festungsboten“ heraus. Die Zeitung sollte den Mut der Eingeschlossenen stärken und über die Lage in der Festung berichten. Die letzte der 14 Ausgaben erschien am Tag vor der Kapitulation.

Prozess und Hinrichtung

Nach der Übergabe der Festung am 23. Juli 1849 kam Elsenhans vor das Standgericht. Die Anklage wertete die Artikel seiner Zeitung als Hochverrat und als Aufreizung zu fortgesetztem Widerstand gegen die Obrigkeit. Elsenhans hielt dagegen, er habe nur sein Recht auf Pressefreiheit genutzt. Am 6. August 1849 lautete das Urteil auf Tod durch Erschießen. Am Morgen des 7. August wurde er in Rastatt als Erster der dort Verurteilten hingerichtet. Acht Kugeln trafen ihn, erst ein Bajonettstich tötete ihn.

Erinnerung

In Rastatt trägt heute die Ernst-Elsenhans-Straße seinen Namen. Zu seinem 150. Todestag wurde dort ein Denkmal enthüllt, das ihn als Freiheitskämpfer mit der Feder ehrt.

Quellen und Literatur

  1. Ernst Elsenhans. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Elsenhans
  2. Belagerung der Festung Rastatt. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Belagerung_der_Festung_Rastatt
  3. Die Revolution von 1848/49 in Rastatt. Landesbildungsserver Baden-Württemberg: https://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/gesellschaftswissenschaftliche-und-philosophische-faecher/landeskunde-landesgeschichte/module/epochen/neuzeit/revolution48/rastattrevolution/ab9.pdf
  4. https://www.deutsche-biographie.de/pnd119442345.html

Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND

Zum Weiterlesen

  • Carl Schurz

    Demokratie heißt: Frieden und Versöhnung überall

    Texte von Carl Schurz, der 1849 in der belagerten Festung Rastatt lag und entkam.

    Köln 2024 · ISBN 9783462500158

  • Christopher Clark

    Frühling der Revolution. Europa 1848/49 und der Kampf für eine neue Welt

    Große Gesamtschau der europäischen Revolution von 1848/49, von den ersten Aufständen bis zur Niederlage.

    München 2025 · ISBN 9783570555101

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