
Prinz Wilhelm von Preußen
Prinz Wilhelm von Preußen, geboren 1797 in Berlin, war der jüngere Bruder König Friedrich Wilhelms IV. und galt als Kopf der konservativen Militärpartei. Seit 1848 schmähten ihn die Demokraten als „Kartätschenprinz“. Im Juni 1849 führte er den Oberbefehl über die Interventionstruppen, die die Revolution in der Pfalz und in Baden niederschlugen. 1861 wurde er König von Preußen, 1871 als Wilhelm I. erster Deutscher Kaiser.
- Geboren22.3.1797
- Gestorben9.3.1888
- GeburtsortBerlin
- WirkungsortBerlin, Pfalz, Baden, Koblenz
- Rolle / FunktionOberbefehlshaber der preußischen Interventionstruppen 1849
- BerufOffizier, später König von Preußen und Deutscher Kaiser
Ein Prinz für die Armee
Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen wurde am 22. März 1797 in Berlin geboren. Als zweiter Sohn König Friedrich Wilhelms III. war er nicht für den Thron vorgesehen und schlug eine militärische Laufbahn ein. Die Revolutionen seiner Jugendjahre, der Dekabristenaufstand in Russland 1825 und die Julirevolution in Frankreich 1830, prägten ihn nachhaltig. Weil sein älterer Bruder Friedrich Wilhelm IV. kinderlos blieb, wurde Wilhelm Thronfolger. In der Öffentlichkeit galt er als Kopf der konservativen Militärpartei am preußischen Hof.
Der „Kartätschenprinz“ im März 1848
Welche Rolle Wilhelm während der Berliner Märzrevolution spielte, ist in der Forschung umstritten. Die meisten Historiker sehen in ihm einen Befürworter eines harten Vorgehens gegen die Demonstranten. Nach den Barrikadenkämpfen drängte ihn der König, Berlin zu verlassen, und Wilhelm ging für rund zwei Monate nach England. Als im Mai 1848 seine Rückkehr bekannt wurde, kam der Schmähname „Kartätschenprinz“ auf. Er beruhte auf dem Gerücht, der Prinz habe befohlen, mit Kartätschen auf die Menge zu schießen. Der Name blieb an ihm haften, auch weil er ein Jahr später den Aufstand in Baden niederschlug.
Oberbefehlshaber gegen Baden und die Pfalz 1849
Nachdem sein Bruder die Kaiserkrone der Nationalversammlung abgelehnt hatte, erhoben sich im Mai 1849 die Pfalz und Baden für die Reichsverfassung. Am 8. Juni 1849 beauftragte der König Wilhelm mit der Niederschlagung. Der Prinz sah darin auch eine Gelegenheit, die als Schmach empfundene Flucht des Vorjahres vergessen zu machen. Unter seinem Oberbefehl standen zwei preußische Armeekorps, dazu kam ein Korps des Deutschen Bundes.
Die Pfalz war in wenigen Tagen besetzt. In Baden stießen seine Truppen auf größeren Widerstand, doch nach dem Gefecht bei Waghäusel am 21. Juni 1849 gewannen sie dank ihrer Überzahl die Oberhand. Die Revolutionsarmee musste sich an die Murg und schließlich in die Schweiz zurückziehen. Nach der Kapitulation der Festung Rastatt am 23. Juli 1849 hielt Wilhelm eine Ansprache an seine Soldaten. Den Ausmarsch der besiegten Besatzung wollte er nicht mit ansehen. Den Urteilen der Gerichte gegen die Aufständischen stand er kritisch gegenüber, weil sie ihm oft zu milde erschienen.
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Vom Prinzen zum Kaiser
Nach dem Feldzug ernannte ihn der König zum Militärgouverneur der Rheinprovinz und Westfalens mit Sitz in Koblenz. Ab 1858 führte er als Prinzregent die Regierung für seinen erkrankten Bruder, 1861 wurde er König von Preußen. 1862 berief er Otto von Bismarck zum Ministerpräsidenten. Nach dem Krieg gegen Frankreich wurde Wilhelm am 18. Januar 1871 in Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen, und zwar vom Großherzog von Baden, seinem Schwiegersohn. Er starb am 9. März 1888 in Berlin.
Für die Menschen in Baden blieb der spätere Kaiser lange vor allem der Mann, dessen Truppen 1849 die Revolution beendeten. Das „Badische Wiegenlied“ mit der Zeile „Dort draußen geht der Preuß“ erinnert an diese Zeit der preußischen Besatzung.
Quellen und Literatur
- Jan Markert: Wilhelm I. Vom „Kartätschenprinz“ zum Reichsgründer. Berlin/Boston 2025.
- Gefecht bei Waghäusel. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Gefecht_bei_Waghusel
- https://www.deutsche-biographie.de/pnd118632884.html
Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND
Zum Weiterlesen

Christopher Clark
Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947
Die Geschichte Preußens, auch des späteren Kaisers Wilhelm I., der 1849 die Revolution in Baden niederwarf.
München 2008 · ISBN 9783570550601

Christopher Clark
Frühling der Revolution. Europa 1848/49 und der Kampf für eine neue Welt
Erzählt auch, wie die Revolution 1849 mit Waffengewalt beendet wurde.
München 2025 · ISBN 9783570555101
