Gustav Rée

Gustav Rée

1810–1869 Organisator der Offenburger Versammlung, Bürgermeister Republikaner

Gustav Rée war Bürgermeister von Offenburg und ein engagierter Verfechter der Bürgerrechte. Als geschickter Netzwerker machte er seine Stadt zum logistischen Knotenpunkt der demokratischen Bewegung, begünstigt durch den Anschluss an die badische Hauptbahn 1844. Am 12. September 1847 organisierte er die Versammlung im Gasthaus „Salmen", bei der Hecker und Struve die 13 Forderungen des Volkes verkündeten. Ohne seine Vorarbeit hätte das Treffen kaum diese Massenwirkung entfaltet.

  • Geboren16.11.1810
  • Gestorben7.8.1869
  • GeburtsortWaldkirch-Buchholz
  • WirkungsortOffenburg
  • Rolle / FunktionOrganisator der Offenburger Versammlung, Bürgermeister
  • BerufJurist, Bürgermeister von Offenburg

Herkunft und Ausbildung

Gustav Rée wurde nach den üblichen Angaben am 16. November 1810 geboren, als Geburtsort gilt nach neuerer Forschung Buchholz bei Waldkirch. Seine frühen Jahre liegen weitgehend im Dunkeln. Als Vater wird der Jurist und Registrator Franz Bernhard Rehe genannt, der 1817 nach Offenburg zurückkehrte. Von 1827 bis 1832 arbeitete Rée als Notariatspraktikant in Offenburg, Kork und Kappelrodeck. Danach studierte er in Freiburg Philosophie und Rechtswissenschaft und kam dort mit dem Liberalismus Karl von Rottecks in Berührung. Nach Stationen im Staatsdienst war er ab 1841 Hofgerichtsadvokat in Konstanz.

Bürgermeister von Offenburg

Am 28. Juli 1845 wählte ihn Offenburg mit 67 von 70 Stimmen zum Bürgermeister. Oppositionspolitiker wie Karl Mathy und Johann Adam von Itzstein hatten die Wahl im Hintergrund vorbereitet. Rée wollte die zerstrittene Bürgerschaft einen. Im Dezember 1845 gründete er einen Leseverein, der allen Bürgern offenstand und bald über 200 Mitglieder hatte; faktisch entstand so eine Parteiorganisation der Liberalen. Seine Frau Anna rief zur selben Zeit den Offenburger Frauenverein ins Leben.

In der Hungerkrise 1846/47 sicherte Rée die Versorgung mit einer städtischen Bäckerei, die importiertes amerikanisches Mehl verarbeitete, und einer Suppenanstalt. Zugleich setzte er den Bau einer Straße zum Bahnhof durch. Seit 1844 war Offenburg an die Eisenbahn angeschlossen, was die Stadt zum gut erreichbaren Treffpunkt der Opposition machte.

Präsident der Versammlung im Salmen

1847 war Offenburg fest in der Hand des „entschiedenen Fortschritts“. Rée rief mit zur Versammlung der entschiedenen Verfassungsfreunde im Gasthaus „Salmen“ auf und wurde am 12. September 1847 ihr Präsident. Dort verkündeten Friedrich Hecker und Gustav Struve die 13 Forderungen des Volkes. Die gut organisierte Anhängerschaft in der Stadt, die das Treffen trug, war zu großen Teilen sein Werk.

Zwischen Republik und Ordnung

Im April 1848 besetzten junge Hecker-Anhänger den Offenburger Bahnhof und errichteten Barrikaden, während der Heckerzug noch im Südschwarzwald festsaß. Rée erreichte, dass sie nicht sofort die Republik ausriefen. Er ließ die Truppen des Generals Pfaff friedlich einrücken, und eine Bürgerversammlung beschloss am 19. April die „Offenburger Erklärung“. Darin bekannte sich die Stadt zu ihren Sympathien für die republikanische Staatsform, verzichtete aber darauf, die Republik zu verkünden.

Am 18. Mai 1848 wählten ihn 131 von 134 Wahlmännern in die Frankfurter Nationalversammlung. Dort schloss er sich der linken Fraktion Donnersberg an, legte das Mandat jedoch bereits im August 1848 nieder, um sich wieder Offenburg zu widmen. Für die Spitze des Reichs wünschte er sich eine wechselnde, also republikanische Präsidentschaft; Gewalt als Weg dorthin lehnte er ab.

Das Jahr 1849 und die späten Jahre

Im Februar 1849 arbeitete Rée an den Statuten des Offenburger Volksvereins mit und gehörte dessen Vorstand an. Beim Mai-Aufstand versuchte er am 13. und 14. Mai, die jungen Wehrmänner von einem überstürzten Auszug nach Norden abzuhalten, bewilligte später aber Geld für Waffen. Nachträglich bekannte er sich zum gemäßigten Flügel um Lorenz Brentano. Nach dem Einmarsch der Preußen erklärte er am 5. Juli 1849 seinen Rücktritt.

Ein Verfahren wegen Hochverrats endete ohne Verurteilung. Bis 1850 verteidigte Rée als Anwalt in Offenburg zahlreiche angeklagte Revolutionäre, dann zog er nach Freiburg, wo er am 7. August 1869 starb. In Offenburg erinnert heute die Gustav-Rée-Anlage an ihn.

Verbindungen

Gustav Rée in der Badischen Revolution

  1. 1847Die Forderungen des Volkes

    Die 13 Forderungen des Volkes von 1847: Welche Rechte Hecker und Struve im Offenburger „Salmen“ verlangten und warum sie als Grundrechteprogramm gelten.

Quellen und Literatur

  1. Wolfgang M. Gall: Gustav Ree. Ein Bürgermeister zwischen Barrikaden und Parlament. In: Die Ortenau 78 (1998), S. 102-114.
  2. Franz X. Vollmer: Offenburg 1848/49. Ereignisse und Lebensbilder aus einem Zentrum der badischen Revolution. Offenburg 1997.
  3. Franz X. Vollmer: Der Geburtsort von Gustav Rée und der spätere Lebensweg von Theodor Nerlinger. In: Die Ortenau 79 (1999), S. 220-222.
  4. https://www.deutsche-biographie.de/pnd1012295540.html

Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND

Zum Weiterlesen

  • Jörg Bong

    Die Flamme der Freiheit. Die deutsche Revolution 1848/1849

    Erzählt, wie die Forderungen der badischen Demokraten 1848 zur Revolution wurden.

    Köln 2022 · ISBN 9783462003130

  • Annette Borchardt-Wenzel

    Kleine Geschichte Badens

    Handlicher Überblick über die badische Geschichte, in die sich die Revolution von 1848/49 einordnet.

    Regensburg 2026 · ISBN 9783791736693

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