
Heinrich von Gagern
Heinrich von Gagern, geboren 1799 in Bayreuth, war ein liberaler Politiker aus dem Großherzogtum Hessen. Im März 1848 wurde er hessischer Regierungschef, am 19. Mai 1848 wählte ihn die Frankfurter Nationalversammlung zu ihrem ersten Präsidenten. Mit seinem „kühnen Griff“ brachte er die Wahl eines Reichsverwesers auf den Weg. Ab Dezember 1848 führte er die Reichsregierung und warb für ein Kaiserreich unter preußischer Führung, das an der Ablehnung Friedrich Wilhelms IV. scheiterte.
- Geboren20.8.1799
- Gestorben22.5.1880
- GeburtsortBayreuth
- WirkungsortDarmstadt, Worms, Frankfurt am Main, Wien
- Rolle / FunktionPräsident der Frankfurter Nationalversammlung 1848, Reichsministerpräsident 1848/49
- BerufJurist, Politiker
Herkunft und Burschenschaft
Heinrich Wilhelm August von Gagern wurde am 20. August 1799 in Bayreuth geboren. Seine Familie war mit dem Hof von Nassau-Weilburg vor den französischen Revolutionstruppen dorthin geflohen. Der Vater Hans Christoph von Gagern war Politiker und Diplomat, der ältere Bruder Friedrich machte Karriere als Offizier. Mit 15 Jahren zog Heinrich 1815 als Unterleutnant eines nassauischen Regiments gegen Napoleon und wurde bei Waterloo leicht verwundet. Danach studierte er Rechtswissenschaften in Heidelberg, Göttingen, Jena und Genf. In Jena trat er 1818 der Urburschenschaft bei, die für die Einheit Deutschlands und für Verfassungen stritt.
Beamter und Oppositionsführer in Hessen
Nach dem Studium trat Gagern in den Dienst des Großherzogtums Hessen. 1832 wählte ihn der Bezirk Lorsch in den Darmstädter Landtag, wo er bald die Opposition anführte. In diesen Jahren lernte er die badischen Liberalen Karl von Rotteck und Johann Adam von Itzstein kennen. Die Regierung löste den Landtag 1833 auf und versetzte Gagern in den Ruhestand, worauf er selbst um seine Entlassung bat. Ab 1838 lebte er auf dem Familiengut Monsheim in Rheinhessen. 1847 wählte ihn Worms erneut in den Landtag, und mit seiner scharfen Oppositionspolitik wurde er weit über Hessen hinaus bekannt.
Märzminister und Präsident der Paulskirche
Nach der Februarrevolution in Paris verlangte Gagern am 28. Februar 1848 im Landtag ein deutsches Nationalparlament. Am 5. März nahm er an der Heidelberger Versammlung teil, und am selben Tag wurde er Regierungschef in Darmstadt. Im April 1848 fiel sein Bruder Friedrich von Gagern als Befehlshaber der Regierungstruppen im Gefecht gegen den Heckerzug bei Kandern.
Am 19. Mai 1848 wählte die Frankfurter Nationalversammlung Heinrich von Gagern mit 305 von 397 Stimmen zu ihrem Präsidenten. Er brachte Ordnung in die anfangs chaotischen Sitzungen und wurde siebenmal in Folge wiedergewählt. Am 24. Juni 1848 überraschte er die Abgeordneten mit seinem „kühnen Griff“: Die Versammlung solle aus eigener Macht ein vorläufiges Reichsoberhaupt bestimmen. Fünf Tage später wählte sie Erzherzog Johann von Österreich zum Reichsverweser.
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Reichsministerpräsident und Scheitern
Im Dezember 1848 übernahm Gagern die Reichsregierung, als Parlamentspräsident folgte ihm Eduard von Simson. Gagern setzte auf ein Reich ohne Österreich mit einem erblichen Kaiser aus Preußen. Für diese Mehrheit kam er Teilen der Linken entgegen, die dafür unter anderem das allgemeine und gleiche Wahlrecht für Männer durchsetzten. Am 28. März 1849 verabschiedete die Nationalversammlung die Reichsverfassung.
Doch Friedrich Wilhelm IV. wies die Kaiserkrone zurück. Gagerns letzter Plan, die Zentralgewalt auf Preußen zu übertragen, scheiterte am Reichsverweser. Am 10. Mai 1849 trat seine Regierung zurück, am 20. Mai verließ er mit seinen Fraktionsfreunden die Nationalversammlung.
Späte Jahre
1850 saß Gagern im Erfurter Unionsparlament, danach diente er als Major in der schleswig-holsteinischen Armee. Von Preußen enttäuscht, engagierte er sich in den 1860er Jahren im großdeutschen Reformverein. Von 1864 bis 1872 vertrat er Hessen als Gesandter in Wien. Die Reichsgründung von 1871 begrüßte er dennoch. Heinrich von Gagern starb am 22. Mai 1880 in Darmstadt.
Quellen und Literatur
- Heinrich von Gagern. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_von_Gagern
- G. Kaufmann: Gagern, Heinrich Freiherr von. In: Allgemeine Deutsche Biographie 49 (1904), S. 654 bis 676.
- Paul Wentzcke: Gagern, Heinrich Freiherr von. In: Neue Deutsche Biographie 6 (1964).
- https://www.deutsche-biographie.de/pnd118689150.html
Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND
Zum Weiterlesen

Frank Engehausen, Jörg Bong (Hg.)
Mehr als Einigkeit und Recht und Freiheit. Demokratische Reden in der Frankfurter Nationalversammlung
Reden der Demokraten im Parlament der Paulskirche, dem Gagern als erster Präsident vorstand.
Köln 2024 · ISBN 9783462500134

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