Eduard von Simson
Fritz Paulsen, 1880, Nationalgalerie Berlin, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Eduard von Simson

1810–1899 Präsident der Frankfurter Nationalversammlung; leitete die Kaiserdeputation 1849 Nationalversammlung

Martin Eduard Simson, geboren 1810 in Königsberg, war Jurist, Hochschullehrer und Parlamentarier. Als Präsident der Frankfurter Nationalversammlung leitete er 1849 die Kaiserdeputation, die Friedrich Wilhelm IV. die deutsche Kaiserkrone antrug – und dessen Ablehnung erleben musste. Später wurde er Präsident des Reichstags und erster Präsident des Reichsgerichts. Er gilt als einer der „Verfassungsväter“ der deutschen Demokratie.

  • Geboren10.11.1810
  • Gestorben2.5.1899
  • GeburtsortKönigsberg
  • WirkungsortKönigsberg, Frankfurt am Main, Berlin, Leipzig
  • Rolle / FunktionPräsident der Frankfurter Nationalversammlung; leitete die Kaiserdeputation 1849
  • BerufJurist, Hochschullehrer und Parlamentarier

Herkunft und Aufstieg in Königsberg

Eduard Simson wurde am 10. November 1810 in Königsberg geboren. Seine jüdischen Eltern ließen ihn 1823 mit seinen Geschwistern protestantisch taufen. Ab 1826 studierte er in Königsberg Rechtswissenschaft und wurde 1829 mit gerade 18 Jahren promoviert. Ein Staatsstipendium führte ihn unter anderem nach Berlin, Bonn und Paris, wo er kurz nach der Julirevolution von 1830 eintraf. 1833 wurde er außerordentlicher, 1836 ordentlicher Professor in Königsberg, zugleich war er als Richter am preußischen Tribunal tätig.

In der Paulskirche

1846 wählten ihn die Königsberger in die Stadtverordnetenversammlung, 1848 in die Frankfurter Nationalversammlung. Dort schloss er sich der gemäßigt liberalen Casino-Fraktion an und war zunächst Schriftführer, ab Oktober Vizepräsident. Am 18. Dezember 1848 folgte er Heinrich von Gagern als Präsident der Nationalversammlung nach. Heinrich war ein Bruder des Generals Friedrich von Gagern, der im April beim Gefecht gegen den Heckerzug gefallen war. Wegen seiner Arbeit an der Reichsverfassung, die das Parlament am 28. März 1849 verabschiedete, gilt Simson als der „erste deutsche Verfassungsvater“.

Die Kaiserdeputation

Noch am Tag der Verabschiedung wählte die Nationalversammlung den preußischen König zum Kaiser der Deutschen. Am 3. April 1849 führte Simson die Deputation an, die Friedrich Wilhelm IV. in Berlin die Krone antrug. Der König wich aus und verwies auf die Zustimmung der Fürsten. Damit war das Frankfurter Verfassungswerk faktisch gescheitert. Simson war zutiefst enttäuscht, lehnte es ab, das Präsidium weiterzuführen, und verließ im Mai 1849 die Nationalversammlung.

Das Nein aus Berlin löste die Reichsverfassungskampagne aus, die in Baden im Mai-Aufstand gipfelte. Die Hintergründe schildert das Kapitel über die Ablehnung der Kaiserkrone.

Parlamentspräsident in Preußen und im Reich

1850 leitete Simson als Präsident das Volkshaus des Erfurter Unionsparlaments. Von 1849 bis 1852 und wieder ab 1858 gehörte er der preußischen Zweiten Kammer an, dem späteren Abgeordnetenhaus, ab 1859 auch als ihr Präsident. Im Verfassungskonflikt der 1860er Jahre verteidigte er das Budgetrecht des Parlaments, 1866 wechselte er zu den Nationalliberalen und damit auf die Seite Bismarcks. 1867 wählte ihn der Norddeutsche Reichstag zum Präsidenten. Im Dezember 1870 trug er an der Spitze einer Deputation in Versailles König Wilhelm I. die Kaiserwürde an, gut 21 Jahre nach der gescheiterten Mission in Berlin. Präsident des Reichstags blieb er bis 1874.

Richter und späte Jahre

Als Jurist wechselte Simson 1860 als Vizepräsident an das Appellationsgericht Frankfurt (Oder), 1869 wurde er dessen Präsident. 1879 berief man ihn zum ersten Präsidenten des neu errichteten Reichsgerichts in Leipzig. 1885 übernahm er den Vorsitz der Goethe-Gesellschaft, 1888 wurde er in den erblichen Adelsstand erhoben. Nach einem Schlaganfall trat er 1891 in den Ruhestand und zog nach Berlin. Dort starb Eduard von Simson am 2. Mai 1899. Sein Grab ist heute ein Ehrengrab des Landes Berlin.

Verbindungen

Eduard von Simson in der Badischen Revolution

  1. April 1849Die verschmähte Krone

    Die Ablehnung der Kaiserkrone 1849: Warum Friedrich Wilhelm IV. die vom Volk angebotene Krone ausschlug – und wie sein „Nein" den Mai-Aufstand in Baden entfachte.

Quellen und Literatur

  1. Andreas Thier: Simson, Martin Eduard Sigismund von. In: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 451-453.
  2. Herman von Petersdorff: Simson, Eduard von. In: Allgemeine Deutsche Biographie 54 (1908), S. 348-364.
  3. https://www.deutsche-biographie.de/pnd118614584.html

Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND

Zum Weiterlesen

  • Frank Engehausen, Jörg Bong (Hg.)

    Mehr als Einigkeit und Recht und Freiheit. Demokratische Reden in der Frankfurter Nationalversammlung

    Reden aus der Paulskirche, deren Präsident Simson ab Ende 1848 war.

    Köln 2024 · ISBN 9783462500134

  • Christopher Clark

    Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947

    Die Geschichte Preußens bis zur Kaiserkrone, die Simson 1849 dem König antrug.

    München 2008 · ISBN 9783570550601

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