
Amand Goegg
Amand Goegg, geboren 1820 in Renchen, war Staatsbeamter, Publizist und einer der führenden Organisatoren der badischen Volksvereine. Als treibende Kraft des Landesausschusses berief er im Mai 1849 die große Offenburger Landesversammlung mit ein und wurde Finanzminister der provisorischen Revolutionsregierung. Nach dem Scheitern der Revolution floh er in die Schweiz und wurde später ein international bekannter Vertreter der Friedens- und Demokratiebewegung. Nach der Amnestie von 1861 kehrte er nach Baden zurück.
- Geboren7.4.1820
- Gestorben21.7.1897
- GeburtsortRenchen
- WirkungsortRenchen, Offenburg, Karlsruhe; später Genf und London
- Rolle / FunktionFinanzminister der provisorischen Revolutionsregierung 1849
- BerufStaatsbeamter, Publizist und Politiker
Herkunft und Ausbildung
Amand Goegg wurde am 7. April 1820 in Renchen geboren. Seine Familie führte ein angesehenes Handelshaus in der Stadt. Er studierte Kameralwissenschaft in Freiburg, Heidelberg, München und Karlsruhe; in Heidelberg hörte er unter anderem bei dem Nationalökonomen Karl Heinrich Rau und trat 1840 der Alten Heidelberger Burschenschaft bei. Danach ging er in den badischen Staatsdienst und begann als Volontär im Finanzministerium. Ende 1848 war er Zollassistent in Mannheim.
Organisator der Volksvereine
Im Dezember 1848 kam Goegg zu dem Schluss, dass die Vaterländischen Vereine, die Friedrich Hecker und Gustav Struve im Frühjahr angestoßen hatten, in die Hände der gemäßigten Konstitutionellen geraten waren. Für den 26. Dezember lud er rund 150 Gleichgesinnte nach Renchen ein. Dort rief er dazu auf, im ganzen Land Volksvereine zu gründen und sie zentral zu lenken.
Den Vorsitz des Landesverbands übernahm der Mannheimer Advokat Lorenz Brentano. Weil Brentano zugleich Abgeordneter in Karlsruhe und in der Frankfurter Nationalversammlung war, lag die eigentliche Arbeit bei Goegg als zweitem Vorsitzenden. In kurzer Zeit wuchs der Verband auf etwa 400 Vereine mit rund 35.000 Mitgliedern.
Offenburg und Rastatt im Mai 1849
Auf der Delegiertenkonferenz der Volksvereine am 12. Mai 1849 stellte Goegg die Ausrufung der Republik zur Debatte, fand dafür aber keine Mehrheit. Am nächsten Tag sprach er auf der großen Offenburger Landesversammlung vor Zehntausenden. Die Versammelten beschlossen ein Programm, das er maßgeblich formuliert hatte. Es verlangte unter anderem die vorbehaltlose Anerkennung der Reichsverfassung und eine neue Regierung unter Brentano.
Die großherzogliche Regierung lehnte ab. Noch am Abend fuhr der Landesausschuss nach Rastatt, wo die Garnison bereits gemeutert hatte, und Goegg verkündete vom Balkon des Rathauses die Offenburger Beschlüsse. In der Nacht verließ Großherzog Leopold seine Residenz. Wie es dazu kam, erzählt das Kapitel über den Mai-Aufstand in Baden.
Minister der Revolutionsregierung
Nach der Flucht des Großherzogs übernahm der Landesausschuss die Geschäfte. Goegg saß mit Joseph Ignatz Peter und Karl Eichfeld in der Vollzugsbehörde unter Brentanos Vorsitz, ab dem 1. Juni 1849 war er Finanzminister der provisorischen Regierung. Er gehörte zum entschiedeneren Flügel, während Brentano einen gemäßigten Kurs hielt.
Vor der preußischen Interventionsarmee wich die Regierung Ende Juni nach Freiburg aus. Als die verfassunggebende Versammlung dort am 28. Juni beschloss, den Krieg mit allen Mitteln fortzusetzen, trat Brentano zurück. Goegg bildete daraufhin mit Kriegsminister Werner eine provisorische Regierung „mit diktatorischer Gewalt“. Die Revolutionsarmee begann sich zu dieser Zeit bereits aufzulösen. Am 12. Juli 1849 überschritt Goegg bei Konstanz die Grenze zur Schweiz.
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Exil, Friedensliga und Rückkehr
In der Schweiz lernte er Marie Pouchoulin kennen, die er später in Genf heiratete; sie wurde eine der ersten Frauenrechtlerinnen des Landes. Nach seiner Ausweisung ging Goegg nach London und gehörte dort mit Franz Sigel und Arnold Ruge zum Kreis der süddeutschen Emigranten. Reisen führten ihn nach Amerika, Australien und Südamerika. Seine Sicht auf 1849 legte er 1850 in einem „Rückblick auf die Badische Revolution“ dar.
Nach der Amnestie von 1861 zog er nach Offenburg und erhielt 1862 die badische Staatsbürgerschaft zurück. Um 1865 ging er wieder nach Genf, wo er 1867 die Internationale Friedensliga (Ligue de la Paix et de la Liberté) mitgründete und ihr Vizepräsident wurde. Marx, Engels und Bakunin überzogen ihn dafür mit Spott. Ab 1883 lebte Goegg wieder in Renchen. Dort starb er am 21. Juli 1897 und wurde auf dem Friedhof der Stadt begraben.
Verbindungen

Mitstreiter
Lorenz Brentano 1813–1891
Revolutionsregierung 1849
Gemeinsam in: Der Aufstand der Soldaten

Amand Goegg in der Badischen Revolution
- Mai 1849Der Aufstand der Soldaten
Der Mai-Aufstand in Baden 1849: Wie das Militär in Rastatt zum Volk überlief, der Großherzog floh und aus dem Volkszug von Offenburg die badische Revolutionsarmee entstand.
Quellen und Literatur
- Friedrich von Weech: Amand Goegg. In: Badische Biographien, V. Teil, Heidelberg 1906, S. 208-210.
- Stefan Schipperges: Amand Goegg (1820-1897). Politiker, Sozialrevolutionär, Idealist. Versuch eines Porträts. In: Die Ortenau, Jahrbuch 1998.
- Amand Goegg: Rückblick auf die Badische Revolution unter Hinweisung auf die gegenwärtige Lage Teutschlands. Paris 1850.
- https://www.deutsche-biographie.de/pnd116701145.html
Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND
Zum Weiterlesen

Christopher Clark
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München 2025 · ISBN 9783570555101

Annette Borchardt-Wenzel
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Handlicher Überblick über die badische Geschichte, in die sich die Revolution von 1848/49 einordnet.
Regensburg 2026 · ISBN 9783791736693
