Karl Mathy
Karl Mathy, Lithografie nach einer Zeichnung von Valentin Schertle, um 1842. Gemeinfrei, Wikimedia Commons.

Karl Mathy

1807–1868 Mitorganisator der Heppenheimer Tagung 1847, veranlasste 1848 Ficklers Verhaftung Liberal

Karl Mathy, geboren 1807 in Mannheim, war Journalist und liberaler Abgeordneter im badischen Landtag. Mit Friedrich Daniel Bassermann gab er die „Deutsche Zeitung“ heraus und organisierte 1847 die Heppenheimer Tagung. Am 8. April 1848 ließ er in Karlsruhe den Demokraten Joseph Fickler verhaften, was zu einem Auslöser des Heckerzugs wurde. Später war er Bankier und ab 1866 badischer Regierungschef.

  • Geboren17.3.1807
  • Gestorben3.2.1868
  • GeburtsortMannheim
  • WirkungsortKarlsruhe, Mannheim, Grenchen (Schweiz), Heidelberg, Frankfurt am Main
  • Rolle / FunktionMitorganisator der Heppenheimer Tagung 1847, veranlasste 1848 Ficklers Verhaftung
  • BerufJournalist, Politiker, Bankier

Jugend in Mannheim und erste Konflikte

Karl Friedrich Wilhelm Mathy wurde am 17. März 1807 in Mannheim geboren, als Sohn eines Lyzeumsprofessors. Von 1824 bis 1828 studierte er Rechts- und Kameralwissenschaften in Heidelberg und trat 1829 in den badischen Staatsdienst ein. In Karlsruhe verfolgte er die Debatten der Zweiten Kammer und berichtete auf Vermittlung von Karl von Rotteck darüber für die Augsburger Allgemeine Zeitung. 1832 besuchte er das Hambacher Fest. In der Verfolgungswelle danach verlor er 1833 seine Stelle und saß vier Wochen in Untersuchungshaft.

Exil in der Schweiz

Als die Behörden 1835 erneut seine Verhaftung verlangten, floh Mathy mit seiner Familie in die Schweiz. Er arbeitete dort als Lehrer und Journalist, schrieb unter anderem für die Konstanzer „Seeblätter“ und stand dem Kreis um den italienischen Revolutionär Giuseppe Mazzini nahe. 1836 saß er in Bern in Untersuchungshaft, danach unterrichtete er in Grenchen. 1840 kehrte er nach Baden zurück.

Vom Oppositionellen zum gemäßigten Liberalen

Ab 1842 vertrat Mathy Konstanz in der Zweiten Kammer. Lange galt er als Bindeglied zwischen den gemäßigten Liberalen und dem radikalen Flügel um Friedrich Hecker, Gustav Struve und Lorenz Brentano. Doch er setzte auf Reformen, Handelsfreiheit und den Ausbau der Eisenbahn, nicht auf Umsturz. Ende 1847 kam es beinahe zu einem Duell zwischen ihm und Hecker.

1843 gründete Mathy mit Friedrich Daniel Bassermann einen Verlag, in dem ab Juli 1847 die „Deutsche Zeitung“ erschien. In seinem Büro entstand im selben Jahr die Idee, die liberalen Abgeordneten mehrerer Staaten zusammenzubringen. Mit Bassermann und dem Aachener Unternehmer David Hansemann organisierte er die Heppenheimer Tagung vom 10. Oktober 1847 und machte ihre Ergebnisse mit einem Bericht in der Deutschen Zeitung bekannt.

Die Verhaftung Ficklers 1848

Im Frühjahr 1848 brach Mathy mit der Linken. Am 8. April ließ er am Karlsruher Bahnhof eigenmächtig den Konstanzer Demokraten Joseph Fickler verhaften, obwohl ihm als Abgeordnetem dazu jede Befugnis fehlte. Die Verhaftung wurde zu einem der unmittelbaren Auslöser des Heckerzugs, denn Hecker fürchtete, als Nächster festgenommen zu werden.

Von April 1848 bis Mai 1849 gehörte Mathy der badischen Regierung als Minister ohne Geschäftsbereich an. In der Frankfurter Nationalversammlung saß er für den württembergischen Wahlkreis Calw und zählte zu den führenden Köpfen der Casino-Fraktion. Ab August 1848 war er Unterstaatssekretär im Reichsfinanzministerium. Am 21. Mai 1849 legte er sein Mandat nieder und stand während des Mai-Aufstands auf der Seite des geflohenen Großherzogs.

Bankier und Regierungschef

Nach der Revolution arbeitete Mathy zunächst wieder als Journalist, ab 1854 als Bankier in Köln, Berlin, Gotha und Leipzig. 1862 holte ihn die badische Regierung zurück, 1864 wurde er Präsident des neuen Handelsministeriums und 1866 Präsident des Staatsministeriums, also Regierungschef des Großherzogtums. Karl Mathy starb am 3. Februar 1868 in Karlsruhe.

Quellen und Literatur

  1. Karl Mathy. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Mathy
  2. Friedrich von Weech: Mathy, Karl. In: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 595 bis 600.
  3. Erich Angermann: Mathy, Karl. In: Neue Deutsche Biographie 16 (1990).
  4. https://www.deutsche-biographie.de/pnd118812637.html

Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND

Zum Weiterlesen

  • Annette Borchardt-Wenzel

    Kleine Geschichte Badens

    Handlicher Überblick über die badische Geschichte bis in die Zeit, als Mathy Regierungschef wurde.

    Regensburg 2026 · ISBN 9783791736693

  • Jörg Bong

    Die Flamme der Freiheit. Die deutsche Revolution 1848/1849

    Erzählt das erste Revolutionsjahr 1848 mit den badischen Demokraten und ihren liberalen Gegenspielern.

    Köln 2022 · ISBN 9783462003130

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