
Joseph Fickler
Joseph Fickler, geboren 1808 in Konstanz, gab ab 1836 die „Seeblätter“ heraus, das wichtigste Blatt der Demokraten am Bodensee. Am 8. April 1848 ließ ihn Karl Mathy in Karlsruhe verhaften, was zu einem Auslöser des Heckerzugs wurde. Im Juni 1849 wählte ihn die Revolutionsregierung zum Außenminister, zwei Tage später wurde er in Stuttgart festgenommen. Nach dem Exil in der Schweiz und in Amerika starb er 1865 in Konstanz.
- Geboren6.2.1808
- Gestorben26.11.1865
- GeburtsortKonstanz
- WirkungsortKonstanz, Karlsruhe, Schweiz, New York (USA)
- Rolle / FunktionHerausgeber der „Seeblätter“, 1849 Außenminister der Revolutionsregierung
- BerufKaufmann, Journalist, Verleger
Kaufmann und Zeitungsmacher in Konstanz
Joseph Fickler wurde am 6. Februar 1808 in Konstanz geboren. Seine Familie stammte aus Tirol und lebte in einfachen Verhältnissen. Fickler verdiente sein Geld als Makler, Agent und Kommissionär und betrieb ein Schreib- und Auskunftsbüro. Schon mit 24 Jahren gründete er 1832 seine erste Zeitung, das „Konstanzer Wochenblatt“. Die Zensur setzte dem angriffslustigen Blatt so zu, dass er es nach einem Jahr wieder einstellen musste.
1836 gründete Fickler die „Seeblätter“, die ihn im ganzen Land bekannt machten. Er machte sie zum Sprachrohr der radikalen Demokraten in Baden und der deutschkatholischen Bewegung, die sich von der römischen Kirche lossagte. Auch der spätere Liberale Karl Mathy schrieb in den 1830er Jahren aus dem Schweizer Exil für die „Seeblätter“.
Verhaftet im April 1848
Als 1848 die Revolution begann, trat Fickler offen für eine Republik ein. Die Behörden verdächtigten ihn, mit den Kolonnen deutscher Arbeiter aus Frankreich und vielleicht mit der neuen französischen Regierung in Verbindung zu stehen. Am 8. April 1848 ließ ihn Karl Mathy am Karlsruher Bahnhof festnehmen, eigenmächtig und ohne rechtliche Befugnis. Die Verhaftung des bekanntesten Konstanzer Demokraten wurde zu einem der Auslöser des Heckerzugs, der wenige Tage später in Konstanz begann. Friedrich Hecker wollte seiner eigenen Festnahme zuvorkommen.
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Außenminister der Revolution 1849
Fickler blieb mehr als ein Jahr in Haft. Im Mai 1849 wurde er freigesprochen, und die Offenburger Volksversammlung vom 13. Mai 1849 wählte ihn in den Landesausschuss der Volksvereine. Dort galt er als einer der fähigsten und entschiedensten Köpfe. Ihm missfiel sowohl der Radikalismus Gustav Struves als auch das Zögern der Anhänger Lorenz Brentanos. Am 1. Juni 1849 wählte ihn die Revolutionsregierung zum Außenminister.
Sein Amt übte Fickler nur zwei Tage aus. Er reiste nach Stuttgart, um das württembergische Volk und Militär für ein Bündnis mit Baden zu gewinnen, und wurde dort am 3. Juni 1849 festgenommen. Bis zum 17. Dezember 1849 saß er auf der Festung Hohenasperg. Gegen eine Kaution von 1.000 Gulden kam er frei und floh in die Schweiz. Ein badisches Gericht verurteilte ihn wegen Hochverrats zu neun Jahren Zuchthaus, das Urteil wurde 1851 bestätigt.
Exil in Amerika und Rückkehr
Über England ging Fickler 1852 in die Vereinigten Staaten und führte in New York ein Hotel. Im Bürgerkrieg war er Schatzmeister eines deutschsprachigen Blattes, das den Krieg gegen die Südstaaten ablehnte und dafür von unionstreuen Deutschamerikanern heftig angegriffen wurde. Nach dem Krieg kehrte er in seine Heimatstadt zurück. Joseph Fickler starb im November 1865 in Konstanz.
Quellen und Literatur
- Joseph Fickler. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Fickler
- Karl Mathy. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Mathy
- https://www.deutsche-biographie.de/pnd11853288X.html
- Joseph Fickler: Erinnerungen an den badischen Landtag von 1842. Belle-Vue bei Constanz 1842.
Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND
Zum Weiterlesen

Jörg Bong
Die Flamme der Freiheit. Die deutsche Revolution 1848/1849
Erzählt das erste Revolutionsjahr 1848 mit den badischen Demokraten im Mittelpunkt.
Köln 2022 · ISBN 9783462003130

Annette Borchardt-Wenzel
Kleine Geschichte Badens
Handlicher Überblick über die badische Geschichte, in die sich die Revolution von 1848/49 einordnet.
Regensburg 2026 · ISBN 9783791736693
