Friedrich Wilhelm IV.
Hermann Biow, 1847, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Friedrich Wilhelm IV.

1795–1861 Lehnte 1849 die Kaiserkrone ab Obrigkeit

Friedrich Wilhelm IV., geboren 1795 in Berlin, war von 1840 bis 1861 König von Preußen. Der romantisch gesinnte, tief religiöse Monarch glaubte fest an das Gottesgnadentum und lehnte eine vom Volk getragene konstitutionelle Ordnung ab. 1849 wies er die ihm von der Frankfurter Nationalversammlung angetragene deutsche Kaiserkrone zurück und ließ die Aufstände in Sachsen, der Pfalz und Baden militärisch niederschlagen. Damit besiegelte er das Scheitern der Revolution von 1848/49.

  • Geboren15.10.1795
  • Gestorben2.1.1861
  • GeburtsortBerlin
  • WirkungsortBerlin, Potsdam
  • Rolle / FunktionLehnte 1849 die Kaiserkrone ab
  • BerufKönig von Preußen (1840–1861)

Kronprinz und Romantiker

Friedrich Wilhelm IV. wurde am 15. Oktober 1795 im Berliner Kronprinzenpalais geboren. Als sein Vater Friedrich Wilhelm III. 1797 König von Preußen wurde, rückte der Zweijährige zum Kronprinzen auf. Seine Umgebung beschrieb ihn als künstlerisch begabt, gebildet und redegewandt, aber auch als sprunghaft und unpraktisch. Die Französische Revolution, die mit der Hinrichtung Ludwigs XVI. die dynastische Tradition erschüttert hatte, bestärkte ihn darin, auf geschichtliche Kontinuität zu setzen. Den Staat stellte er sich als christlich-ständische Ordnung vor, in der König und Volk durch Treue verbunden waren. Seine Herrschaft leitete er aus dem Gottesgnadentum ab.

König seit 1840

Am 7. Juni 1840 bestieg er den Thron und weckte zunächst große Hoffnungen bei den Liberalen. Er erließ eine Amnestie für politische Gefangene, gab Ernst Moritz Arndt seinen Bonner Lehrstuhl zurück und holte die Brüder Grimm nach Berlin. Eine Verfassung nach französischem Vorbild lehnte er aber ab. Den Königsberger Arzt Johann Jacoby, der ein preußisches Parlament forderte, ließ er wegen Hochverrats anklagen. Viele seiner frühen Zugeständnisse nahm er noch vor 1848 zurück.

1848: Zurückweichen auf Zeit

Nach der Pariser Februarrevolution kam es am 18. und 19. März 1848 in Berlin zu Barrikadenkämpfen mit rund 300 Toten. Der König gab nach. Am 21. März ritt er mit einer schwarz-rot-goldenen Armbinde durch die Stadt, kurz darauf berief er eine liberale Regierung unter Ludolf Camphausen. Ein Brief an seinen Bruder vom 22. März zeigt jedoch, dass er entschlossen war, der Revolution bei veränderten Kräfteverhältnissen entgegenzutreten. Im November 1848 marschierten Truppen unter General Wrangel in Berlin ein, im Dezember löste der König die Preußische Nationalversammlung auf und erließ aus eigener Macht eine Verfassung.

Die verschmähte Kaiserkrone

Am 28. März 1849 wählte die Frankfurter Nationalversammlung Friedrich Wilhelm zum „Kaiser der Deutschen“. Am 3. April trug ihm eine Deputation unter ihrem Präsidenten Eduard von Simson in Berlin die Krone an. Der König wich aus und erklärte, er könne die Würde nur mit Zustimmung der deutschen Fürsten und freien Städte annehmen. Eine Krone aus der Hand gewählter Volksvertreter widersprach seinem Verständnis vom Gottesgnadentum; in Briefen verglich er sie abfällig mit einem Halsband, das ihn an die Revolution fesseln würde. Am 28. April 1849 lehnte Preußen die Reichsverfassung endgültig ab. Was dieses Nein für Baden bedeutete, erzählt das Kapitel über die Ablehnung der Kaiserkrone.

Feldzug gegen die Revolution

Gegen die Reichsverfassungskampagne ging der König militärisch vor. Im Mai 1849 schickte er Truppen gegen den Dresdner Maiaufstand. Als in Baden nach dem Mai-Aufstand Großherzog Leopold geflohen war, entwarf Friedrich Wilhelm selbst einen Operationsplan: zuerst die Pfalz sichern, dann von Norden her in Baden einrücken. Unter dem Oberbefehl seines Bruders, des Prinzen von Preußen, schlugen preußische Truppen gemeinsam mit einem Bundeskorps die Revolutionsarmee unter Ludwik Mierosławski. Mit der Kapitulation der Festung Rastatt am 23. Juli 1849 endete die Revolution. Den Sieg ließ der König in Potsdam mit Denkmälern feiern.

Die späten Jahre

Nach 1849 regierte er mit der mehrfach zu seinen Gunsten geänderten Verfassung und dem Dreiklassenwahlrecht, das er im Mai 1849 per Notverordnung eingeführt hatte. Ab 1857 erlitt er mehrere Schlaganfälle, 1858 übernahm sein Bruder Wilhelm die Regentschaft. Friedrich Wilhelm IV. starb am 2. Januar 1861 im Schloss Sanssouci in Potsdam.

Verbindungen

Friedrich Wilhelm IV. in der Badischen Revolution

  1. April 1849Die verschmähte Krone

    Die Ablehnung der Kaiserkrone 1849: Warum Friedrich Wilhelm IV. die vom Volk angebotene Krone ausschlug – und wie sein „Nein" den Mai-Aufstand in Baden entfachte.

Quellen und Literatur

  1. Kurt Borries: Friedrich Wilhelm IV. In: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 563-566.
  2. Leopold von Ranke: Friedrich Wilhelm IV. In: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 729-776.
  3. David E. Barclay: Anarchie und guter Wille. Friedrich Wilhelm IV. und die preußische Monarchie. Siedler, Berlin 1995.
  4. https://www.deutsche-biographie.de/pnd118535994.html

Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND

Zum Weiterlesen

  • Christopher Clark

    Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947

    Die Geschichte Preußens, mit dem König, der 1849 die Kaiserkrone ausschlug.

    München 2008 · ISBN 9783570550601

  • Christopher Clark

    Frühling der Revolution. Europa 1848/49 und der Kampf für eine neue Welt

    Zeigt, wie die Revolution von 1848 auch Berlin und den preußischen König erfasste.

    München 2025 · ISBN 9783570555101

  • Frank Engehausen, Jörg Bong (Hg.)

    Mehr als Einigkeit und Recht und Freiheit. Demokratische Reden in der Frankfurter Nationalversammlung

    Reden aus dem Parlament, dessen Kaiserkrone der König 1849 zurückwies.

    Köln 2024 · ISBN 9783462500134

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