Franz Sigel

Franz Sigel

1824–1902 Kriegsminister & Oberbefehlshaber der Revolutionstruppen 1849 Republikaner

Franz Sigel, geboren 1824 in Sinsheim, war ein badischer Offizier und Revolutionär. 1848 stellte er ein Freikorps auf und nahm am Heckerzug teil; 1849 wurde er Kriegsminister der provisorischen Regierung unter Lorenz Brentano und zeitweise Oberbefehlshaber der Revolutionstruppen. Nach dem Scheitern der Erhebung floh er in die Schweiz und emigrierte in die USA. Dort wurde er als Generalmajor der Unionsarmee im Amerikanischen Bürgerkrieg bekannt und mobilisierte zehntausende deutschstämmige Freiwillige.

  • Geboren18.11.1824
  • Gestorben21.8.1902
  • GeburtsortSinsheim
  • WirkungsortSinsheim, Karlsruhe, Baden; später St. Louis und New York (USA)
  • Rolle / FunktionKriegsminister & Oberbefehlshaber der Revolutionstruppen 1849
  • BerufOffizier und Politiker

Herkunft und Offizierslaufbahn

Franz Sigel kam am 18. November 1824 in Sinsheim zur Welt. Sein Vater Franz Moritz Sigel stammte aus Bruchsal und war in Sinsheim als Oberamtmann tätig. Der Sohn besuchte von 1838 bis 1840 das Gymnasium in Bruchsal und danach die Kadettenschule in Karlsruhe, die er im Herbst 1843 abschloss. Als Leutnant kam er zum 4. badischen Infanterieregiment nach Mannheim. Weil er das stehende Heer öffentlich kritisierte, geriet er mit Kameraden aneinander, und nach einem Duell mit dem Bataillonsadjutanten nahm er im Herbst 1847 seinen Abschied. Er wollte in Heidelberg Jura studieren. Die Revolution kam dazwischen.

Der Sigel-Zug im April 1848

Unter den Anführern von 1848 war Sigel eine Ausnahme, denn er hatte eine militärische Ausbildung. Auf der Offenburger Volksversammlung am 19. März 1848 beauftragten ihn Konstanzer Bürger, den Seekreis zu bewaffnen; man fürchtete damals einen Einmarsch bayerischer und württembergischer Truppen. Den Plan eines bewaffneten Aufstands sah er skeptisch, abseits stehen wollte er aber nicht.

Als Friedrich Hecker im April 1848 von Konstanz aus zum Heckerzug aufbrach, führte Sigel eine eigene Kolonne. Sie sollte Hecker Freischärler zuführen, doch zur Vereinigung kam es nie. Sigels Zug wuchs auf mehr als 4.000 Mann an. Nach Heckers Niederlage auf der Scheideck bei Kandern am 20. April zog er weiter gegen Freiburg. Dort scheiterte am 24. April der Versuch, durch das Schwabentor in die Stadt zu gelangen, und die Freischar löste sich weitgehend auf. Sigel floh in die Schweiz.

Kriegsminister der Revolutionsregierung 1849

Als im Mai 1849 in Baden erneut der Aufstand ausbrach, holten ihn die Revolutionäre zurück. Beim Aufstand der Soldaten waren Linientruppen zur Volksbewegung übergelaufen, und für diese neue Armee brauchte man erfahrene Offiziere. Sigel befehligte zunächst die Truppen am Neckar. Am 1. Juni 1849 trat er als Kriegsminister in die provisorische Regierung unter Lorenz Brentano ein und führte zeitweise auch den Oberbefehl.

Rund eine Woche später übernahm der polnische General Ludwik Mierosławski das Kommando. Sigel blieb als sein Generaladjutant und Stellvertreter an der Spitze der Armee. Im Gefecht bei Waghäusel am 21. Juni 1849 führte er den rechten Flügel. Gegen die preußische Übermacht wichen die Revolutionstruppen danach immer weiter nach Süden aus. Am 11. Juli 1849 ging Sigel mit den letzten Einheiten, die ihm noch folgten, bei Eglisau über den Rhein in die Schweiz. Dort wurden die Männer entwaffnet und interniert. Im September 1850 verurteilte ihn ein Gericht in Karlsruhe in Abwesenheit zu lebenslangem Zuchthaus.

Lehrer und General in Amerika

1851 wies ihn die Schweiz aus. Über London reiste Sigel nach Amerika und kam im Mai 1852 in New York an, wo er an Privatschulen unterrichtete. Später lehrte er Geschichte und Mathematik am Deutsch-Amerikanischen Institut in St. Louis und wurde 1860 Direktor der öffentlichen Schulen der Stadt.

Im Bürgerkrieg übernahm er 1861 das 3. Missouri-Infanterieregiment, eines der fast nur aus Deutschen bestehenden Regimenter der Union. Seinen größten Erfolg hatte er im März 1862 in der Schlacht von Pea Ridge; kurz darauf wurde er Generalmajor der Freiwilligen. Als Truppenführer blieb er umstritten, und nach der Niederlage bei New Market im Mai 1864 wurde er abgelöst. Für Lincoln war er trotzdem wichtig: Sein Ruf als Revolutionsgeneral brachte viele deutsche Einwanderer dazu, sich freiwillig zu melden. Das Lied „I’m going to fight mit Sigel“ gehörte zu den populärsten Liedern des Krieges. Nach 1865 arbeitete Sigel als Zeitungsverleger, zuerst in Baltimore, ab 1866 in New York, wo er auch öffentliche Ämter bekleidete. Er starb am 21. August 1902 in der Bronx.

Nachwirkung

In den USA erinnern Reiterstandbilder in St. Louis und in Manhattan an Sigel, dazu Orte, die seinen Namen tragen. In Baden gibt es mehrere Franz-Sigel-Straßen. Seine Erinnerungen an 1848 und 1849 gab der Journalist Wilhelm Blos 1902 heraus, im Jahr von Sigels Tod.

Verbindungen

Franz Sigel in der Badischen Revolution

  1. Mai 1849Der Aufstand der Soldaten

    Der Mai-Aufstand in Baden 1849: Wie das Militär in Rastatt zum Volk überlief, der Großherzog floh und aus dem Volkszug von Offenburg die badische Revolutionsarmee entstand.

Quellen und Literatur

  1. Stephen D. Engle: Yankee Dutchman. The Life of Franz Sigel. Louisiana State University Press, Neuausgabe 1999.
  2. Wilhelm Blos (Hrsg.): Denkwürdigkeiten des Generals Franz Sigel aus den Jahren 1848 und 1849. Bensheimer, Mannheim 1902.
  3. https://www.deutsche-biographie.de/pnd11903297X.html

Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND

Zum Weiterlesen

  • Jürgen Dick

    Vom Achtundvierziger zum Forty-Eighter. Franz Sigel (1824 bis 1902). Eine transatlantische Biografie

    Biografie Sigels, vom badischen Revolutionsoffizier zum General der Union.

    Hagen 2026 · ISBN 9783987675065

  • Christopher Clark

    Frühling der Revolution. Europa 1848/49 und der Kampf für eine neue Welt

    Große Gesamtschau der europäischen Revolution von 1848/49, von den ersten Aufständen bis zur Niederlage.

    München 2025 · ISBN 9783570555101

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