
Fürst von Metternich
Fürst von Metternich war österreichischer Staatskanzler und die zentrale Figur der Restauration nach dem Wiener Kongress. Unter seiner Leitung verfolgte der Deutsche Bund ein Ziel: die fürstlichen Throne zu sichern und liberale wie demokratische Bestrebungen im Keim zu ersticken. Nach der Ermordung August von Kotzebues nutzte Metternich 1819 die Gelegenheit, um die Karlsbader Beschlüsse durchzusetzen: Zensur, Universitätsüberwachung und Verfolgung „demagogischer Umtriebe". Diese Politik radikalisierte eine ganze Generation und bereitete den Boden für 1848.
- Geboren15.5.1773
- Gestorben11.6.1859
- GeburtsortKoblenz
- WirkungsortWien
- Rolle / FunktionArchitekt der Restauration, Gegenspieler der Revolution
- BerufStaatsmann, Diplomat, österreichischer Staatskanzler
Herkunft und diplomatischer Aufstieg
Klemens Wenzel Lothar von Metternich wurde am 15. Mai 1773 in Koblenz geboren, das damals zum Kurfürstentum Trier gehörte. Sein Vater diente zunächst den Trierer Kurfürsten als Diplomat und trat später in österreichische Dienste. In der Erziehung des Sohnes spielten Aufklärung und französische Enzyklopädisten eine größere Rolle als die Religion. Metternich vertrat Österreich als Gesandter in Dresden und Berlin und als Botschafter in Paris. 1809 wurde er Außenminister und leitender Minister des Kaisertums Österreich, ab 1821 trug er den Titel Staatskanzler.
Wiener Kongress und Deutscher Bund
Nach dem Sturz Napoleons war Metternich die beherrschende Gestalt des Wiener Kongresses, der Europa nach dem Prinzip des Gleichgewichts der Mächte neu ordnete. Dort entstand 1815 auch der Deutsche Bund, ein loser Zusammenschluss souveräner Staaten. Metternich sah in ihm vor allem ein Werkzeug, um die bestehende Ordnung zu sichern. Mit Zensur und Spitzelwesen ging er gegen liberale und nationale Bestrebungen vor, in Österreich wie im ganzen Bund. Wie dieses System auf Baden wirkte, zeigt das Kapitel über die politische Ordnung Badens.
Die Karlsbader Beschlüsse
1817/18 warb Metternich im Bund dafür, statt moderner Parlamente die alten landständischen Verfassungen einzuführen. Die süddeutschen Staaten empfanden das als Eingriff in ihre Souveränität, und Baden gab sich 1818 eine Verfassung nach französischem Vorbild. Die Ermordung des Schriftstellers August von Kotzebue durch den Burschenschafter Karl Ludwig Sand im März 1819 kam ihm als Anlass gelegen. Auf sein Betreiben wurden im selben Jahr die Karlsbader Beschlüsse erlassen: Die Burschenschaften wurden verboten, Presse und Universitäten unter Aufsicht gestellt, die Verfolgung sogenannter Demagogen begann. Mehr dazu erzählt das Kapitel über den Vormärz.
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Druck auf Baden
Nach dem Hambacher Fest 1832 setzte Metternich eine neue Welle der Unterdrückung durch, mit den Frankfurter Bundesbeschlüssen von 1832 und den Wiener Konferenzen von 1834. In Baden musste Großherzog Leopold das liberale Pressegesetz zurücknehmen, die Professoren Karl von Rotteck und Carl Theodor Welcker verloren ihre Lehrämter. Die geheimen Wiener Beschlüsse wurden erst bekannt, als Johann Adam von Itzstein 1843 eine Abschrift vorlegte. Weil Metternich seit 1816 Schloss Johannisberg im Rheingau besaß, nicht weit von Itzsteins Weingut, nannte man den badischen Oppositionsführer gern den „liberalen Metternich“. Die 13 Forderungen des Volkes verlangten 1847 gleich im ersten Artikel, dass sich die Regierung von den Karlsbader Beschlüssen lossage.
Sturz 1848
Als die Revolution im März 1848 Wien erreichte, zwangen ihn die Aufständischen am 13. März zum Rücktritt und zur Flucht. Die Nachricht erreichte den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. am folgenden Tag. Metternich ging nach London, kehrte 1851 nach Wien zurück und beriet bis zu seinem Tod die Regierung Kaiser Franz Josephs. Er starb am 11. Juni 1859 in Wien und wurde auf seinem Gut Plass in Böhmen beigesetzt.
Verbindungen

Gegenspieler
Karl von Rotteck 1775–1840
Rotteck verlor 1832 unter den Bundesbeschlüssen seine Professur
Fürst von Metternich in der Badischen Revolution
- Frühes 19. JahrhundertDer Vormärz
Der Vormärz in Baden: Zensur, die Verfassung von 1818, Hunger und Karlsbader Beschlüsse – wie diese Epoche den Boden für die Revolution 1848/49 bereitete.
Quellen und Literatur
- Karl Otmar Freiherr von Aretin: Metternich-Winneburg, Clemens Graf von. In: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 236-243.
- Paul Bailleu: Metternich, Clemens Wenzel Lothar. In: Allgemeine Deutsche Biographie 23 (1886), S. 777-802.
- Wolfram Siemann: Metternich. Stratege und Visionär. Eine Biografie. C. H. Beck, München 2016.
- https://www.deutsche-biographie.de/pnd118581465.html
Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND
Zum Weiterlesen

Wolfram Siemann
Metternich. Stratege und Visionär. Eine Biografie
Die große Biografie, die Metternich als Strategen der europäischen Ordnung neu deutet.
München 2022 · ISBN 9783406783692

Wolfram Siemann
Metternich. Staatsmann zwischen Restauration und Moderne
Kompakte Einführung in Metternichs Leben und sein System.
München 2013 · ISBN 9783406587849

Christopher Clark
Frühling der Revolution. Europa 1848/49 und der Kampf für eine neue Welt
Erzählt, wie die Revolution von 1848 auch Metternich stürzte.
München 2025 · ISBN 9783570555101
