
Max Dortu
Max Dortu, geboren 1826 in Potsdam, war ein junger Jurist und Demokrat. 1848 gab er Prinz Wilhelm von Preußen den Spottnamen „Kartätschenprinz“ und musste fliehen. 1849 kämpfte er als Major der Volkswehr in Baden, unter anderem an der Murg. In Freiburg gefangen, verurteilte ihn ein preußisches Kriegsgericht zum Tode, am 31. Juli 1849 wurde er als Erster der 27 Hingerichteten erschossen.
- Geboren29.6.1826
- Gestorben31.7.1849
- GeburtsortPotsdam
- WirkungsortPotsdam, Berlin, Heidelberg, Karlsruhe, Gernsbach, Freiburg
- Rolle / FunktionMajor der badischen Volkswehr 1849, erster Hingerichteter der Standgerichte
- BerufJurist
Ein Juristensohn aus Potsdam
Johann Ludwig Maximilian Dortu, meist Max Dortu genannt, wurde am 29. Juni 1826 in Potsdam geboren. Er war das einzige Kind des Justizrats Ludwig Wilhelm Dortu, der aus einer Hugenottenfamilie stammte und im März 1848 in der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung Presse- und Versammlungsfreiheit forderte. Max leistete seinen Wehrdienst als Einjährig-Freiwilliger bei einem Garderegiment in Berlin und studierte Rechtswissenschaft in Berlin und Heidelberg. In Heidelberg schloss er sich dem radikaldemokratischen Neckarbund an und lernte dort unter anderem Gustav Struve kennen.
Der „Kartätschenprinz“
Im März 1848 legte Dortu sein erstes juristisches Staatsexamen ab und begann am Potsdamer Stadtgericht seine Ausbildung. Zugleich wurde er der wichtigste Sprecher des Politischen Vereins in Potsdam. In einer Rede am 12. Mai 1848 nannte er den Bruder des Königs, Prinz Wilhelm von Preußen, den „Kartätschenprinzen“. Er warf ihm vor, in den Berliner Märzkämpfen den Einsatz von Kartätschen befohlen zu haben. Der Spottname blieb, Dortu erhielt dafür im Juni 1848 fünfzehn Monate Festungsarrest und verlor seine Stelle. Im Oktober kam er frei, weil er in die nächste Instanz gegangen war.
Als preußische Truppen im November 1848 Berlin besetzten, rief Dortu in Potsdam dazu auf, die Eisenbahn nach Berlin und den Telegrafen zu unterbrechen. Wegen dieser Sabotage wurde er steckbrieflich gesucht und floh nach Belgien, später nach Paris. Im Frühjahr 1849 wollte er für die Römische Republik kämpfen, kam aber nur bis Marseille.
Major der Volkswehr in Baden
Ende Mai 1849 traf Dortu in Karlsruhe ein. Auf Empfehlung Struves machte ihn Johann Philipp Becker zum Stabsadjutanten im Generalkommando der Volkswehr. Am 17. Juni ernannte ihn Becker im Rang eines Majors zum Militärkommandanten von Gernsbach, wo er die Verteidigung an der Murg organisieren sollte. Sein hartes Vorgehen gegen tatsächliche und vermeintliche Anhänger des Großherzogs, darunter Geiselnahmen im Murgtal, führte zu seiner Ablösung. Ende Juni führte er bei Rastatt ein Bataillon der Freiburger Volkswehr.
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Gefangen in Freiburg
Nach dem Zusammenbruch der Murgfront zog sich Dortu nach Freiburg zurück. Dort nahm ihn am 6. Juli 1849 eine Bürgerwache fest, weil ihn ein Zeuge der Plünderung auf Schloss Hugstetten beschuldigt hatte. Nach dem Einmarsch der Preußen wurde er als preußischer Landwehrunteroffizier der preußischen Militärjustiz übergeben. Am 11. Juli verurteilte ihn ein Kriegsgericht wegen Kriegsverrats zum Tode. Seine Mutter und Potsdamer Bürger baten den König um Gnade, doch Friedrich Wilhelm IV. lehnte am 29. Juli ab.
Hinrichtung und Nachruhm
Am frühen Morgen des 31. Juli 1849 erschoss ihn ein preußisches Kommando auf dem Friedhof in der Freiburger Wiehre. Dortu war der erste von 27 Revolutionären, die 1849 in Baden hingerichtet wurden. Soldaten hörten trotz des Trommelwirbels seinen letzten Ruf: „Ich sterbe für die Freiheit. Brüder, zielt gut!“ Freiburger Frauen schmückten sein Grab trotz Verbots über Monate mit Blumen. Seine Mutter ließ auf dem Alten Wiehre-Friedhof ein Grabmal errichten, an dem bis heute jedes Jahr am 31. Juli an ihn erinnert wird.
Quellen und Literatur
- Maximilian Dortu. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Maximilian_Dortu
- Badische Revolution, Abschnitt Hingerichtete Revolutionäre. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Badische_Revolution
- Alter Wiehre-Friedhof. Wiehre online: https://wiehre-online.de/en/attractions/alter-wiehre-friedhof/
Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND
Zum Weiterlesen

Christopher Clark
Frühling der Revolution. Europa 1848/49 und der Kampf für eine neue Welt
Große Gesamtschau der europäischen Revolution von 1848/49, von den ersten Aufständen bis zur Niederlage.
München 2025 · ISBN 9783570555101

Annette Borchardt-Wenzel
Kleine Geschichte Badens
Handlicher Überblick über die badische Geschichte, in die sich die Revolution von 1848/49 einordnet.
Regensburg 2026 · ISBN 9783791736693
