
Emma Herwegh
Emma Herwegh, geborene Siegmund, kam 1817 zur Welt und wuchs in einer wohlhabenden Berliner Kaufmannsfamilie auf. 1843 heiratete sie den Dichter Georg Herwegh und lebte mit ihm in Paris. Im April 1848 verhandelte sie als Kundschafterin der Deutschen Demokratischen Legion mit Friedrich Hecker und begleitete die Legion bis zur Niederlage bei Dossenbach. Danach floh sie mit ihrem Mann in die Schweiz, 1849 veröffentlichte sie eine Geschichte der Legion.
- Geboren10.5.1817
- Gestorben24.3.1904
- GeburtsortMagdeburg
- WirkungsortBerlin, Paris, Baden, Zürich, Baden-Baden
- Rolle / FunktionKundschafterin und Botin der Deutschen Demokratischen Legion 1848
- BerufSchriftstellerin, Übersetzerin
Eine Bürgerstochter aus Berlin
Emma Charlotte Siegmund wurde am 10. Mai 1817 geboren, nach den meisten Angaben in Magdeburg, nach anderen in Berlin. Ihr Vater Johann Gottfried Siegmund war ein reicher Berliner Seidenhändler und Hoflieferant. Emma erhielt eine ausgezeichnete Bildung, sprach Französisch, Polnisch und Italienisch, zeichnete, komponierte und übersetzte. Das enge Leben einer Bürgerstochter langweilte sie. Politisch prägten sie die französische Julirevolution von 1830, das Hambacher Fest und der Freiheitskampf der Polen.
Die Ehe mit Georg Herwegh
1841 las sie die „Gedichte eines Lebendigen“ des jungen Dichters Georg Herwegh, die damals viele junge Menschen begeisterten. Im November 1842 besuchte Herwegh auf seiner Reise durch Deutschland das Haus ihrer Eltern, eine Woche später waren die beiden verlobt. Am 8. März 1843 heirateten sie im schweizerischen Baden. Ab Herbst 1843 lebte das Paar in Paris, wo Karl und Jenny Marx zu ihren Nachbarn gehörten.
Kundschafterin der Legion 1848
Als die Revolution im März 1848 nach Deutschland übergriff, stellte Georg Herwegh in Paris die Deutsche Demokratische Legion auf, eine Freiwilligentruppe aus deutschen Handwerkern und Emigranten. Emma Herwegh gehörte von Anfang an dazu. Als Kundschafterin und Botin reiste sie mehrfach aus dem Elsass nach Baden. Am 15. April 1848 traf sie Friedrich Hecker in Engen und bot ihm die Hilfe der Legion an. Hecker lehnte ab, auch weil er fürchtete, der schlechte Ruf der Legion werde seinem Heckerzug schaden. Die badischen Behörden ließen in der Karlsruher Zeitung einen Steckbrief gegen sie veröffentlichen.
Emma begleitete die Legion auf ihrem Marsch durch den Südschwarzwald. Nach der Niederlage bei Dossenbach am 27. April 1848 entkamen sie und ihr Mann in die Schweiz, nach den Erinnerungen Otto von Corvins als Bauer und Bäuerin verkleidet. Gegner verbreiteten später, Georg Herwegh habe sich unter dem Spritzleder eines Wagens versteckt, den seine Frau lenkte. Belegt ist das nicht. 1849 veröffentlichte Emma ihre eigene Darstellung „Zur Geschichte der deutschen demokratischen Legion aus Paris“, unterzeichnet mit „Von einer Hochverrätherin“.
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Exil in Zürich
Von 1851 bis 1866 lebten die Herweghs in Zürich, die Ehe verlief nicht ohne Krisen. Emma blieb politisch aktiv: 1855 half sie dem italienischen Revolutionär Felice Orsini zur Flucht aus dem Gefängnis in Mantua, indem sie ihm Bücher mit versteckten Feilen schickte.
Rückkehr nach Baden und späte Jahre
Nach der Amnestie von 1866 zog das Paar nach Baden-Baden, wo Georg Herwegh 1875 starb. Emma verbrachte ihre letzten Jahre in Paris und starb dort am 24. März 1904. Beigesetzt wurde sie neben ihrem Mann in Liestal in der Schweiz. Heute gilt sie als frühe Vorkämpferin der Frauenrechte. In Baden-Baden erinnert eine Gedenktafel an sie, in Freiburg und Berlin tragen Straßen ihren Namen.
Quellen und Literatur
- Emma Herwegh. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Emma_Herwegh
- Emma Herwegh: Zur Geschichte der deutschen demokratischen Legion aus Paris. Von einer Hochverrätherin. Grünberg 1849.
- https://www.deutsche-biographie.de/pnd116755679.html
- Die Berliner Bürgerstochter, die 1848 zur Revolutionärin wurde. Berliner Zeitung: https://www.berliner-zeitung.de/article/die-berliner-buergerstochter-die-1848-zur-revolutionaerin-wurde-321040
Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND
Zum Weiterlesen

Emma Herwegh
Es lebe die demokratische Republik
Emma Herweghs eigene Erinnerungen an die Legion von 1848 und an das Exil.
Köln 2023 · ISBN 9783462500011

Jörg Bong
Die Flamme der Freiheit. Die deutsche Revolution 1848/1849
Erzählt das erste Revolutionsjahr 1848 mit den badischen Demokraten im Mittelpunkt.
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