
Otto von Corvin
Otto von Corvin, geboren 1812 im ostpreußischen Gumbinnen, war Offizier und Schriftsteller, bekannt durch seinen kirchenkritischen „Pfaffenspiegel“ von 1845. 1848 zog er mit der Deutschen Demokratischen Legion nach Baden, 1849 war er Generalstabschef der Festung Rastatt. Nach seinem Erkundungsritt durch Baden unterzeichnete er die Kapitulation. Ein Standgericht verurteilte ihn zum Tode, begnadigt verbüßte er sechs Jahre Einzelhaft in Bruchsal und arbeitete danach als Journalist in Europa und Amerika.
- Geboren12.10.1812
- Gestorben1.3.1886
- GeburtsortGumbinnen
- WirkungsortBaden, Rastatt, Bruchsal, London, USA
- Rolle / FunktionGeneralstabschef der Festung Rastatt 1849
- BerufOffizier, Schriftsteller, Journalist
Offizier und Schriftsteller
Otto von Corvin, mit vollem Namen Otto Julius Bernhard von Corvin-Wiersbitzki, wurde am 12. Oktober 1812 im ostpreußischen Gumbinnen geboren. Er stammte aus einer polnisch-preußischen Familie, sein Vater war Postdirektor in Gumbinnen. Corvin besuchte die Kadettenschulen in Berlin und Potsdam und diente ab 1830 als Leutnant in Mainz und Saarlouis. Um 1835 verließ er die preußische Armee.
In Leipzig versuchte er sich danach als Schriftsteller. Er lebte von Auftragsarbeiten, redigierte Jagdzeitschriften und gab mit Friedrich Wilhelm Held die Zeitschrift „Locomotive“ heraus. 1839 heiratete er in Frankfurt am Main Helene Cardini. Die Wallfahrt zum Heiligen Rock in Trier 1844 veranlasste den Freidenker zu einer scharfen Abrechnung mit der katholischen Kirche. Das Buch erschien 1845 und wurde später unter dem Titel „Pfaffenspiegel“ bekannt.
Mit der Legion nach Baden 1848
Im Frühjahr 1848 schloss sich Corvin der Deutschen Demokratischen Legion an, die deutsche Emigranten in Paris unter Georg Herwegh aufgestellt hatten. Er bildete die Freiwilligen aus und wirkte als Chef ihres Generalstabs. Die Legion wollte den Heckerzug unterstützen, überschritt den Rhein und wurde am 27. April 1848 im Gefecht bei Dossenbach geschlagen. Corvin entkam.
Generalstabschef in Rastatt 1849
Nach dem Mai-Aufstand 1849 kämpfte Corvin als Oberstleutnant der Revolutionsarmee in Nordbaden. Nach dem Rückzug hinter die Murg wurde er Chef des Generalstabs der eingeschlossenen Festung Rastatt, deren Gouverneur Gustav Tiedemann war. Als Unterhändler verhandelte er mit dem preußischen Stab.
Mitte Juli bot General Karl von der Groeben an, zwei Abgesandte der Besatzung durch das Land reisen zu lassen. Vom 18. bis 21. Juli 1849 fuhren Corvin und Major Lang unter Bewachung über Freiburg und Donaueschingen bis nach Konstanz. Sie sahen ein Land, das vollständig in preußischer Hand war. Vor dem Kriegsrat fasste Corvin das Ergebnis mit den Worten „Es ist alles aus!“ zusammen. Am 23. Juli unterzeichnete er mit Oberst Ernst von Biedenfeld die bedingungslose Übergabe der Festung.
Die Badische Revolution im Kino: Tickets sichern
Diese Kinos haben wir bereits eingenommen.
- Tickets (öffnet in einem neuen Tab)
FORUM Lahr
Lahr
- Tickets (öffnet in einem neuen Tab)
FORUM Offenburg
Offenburg
- Tickets (öffnet in einem neuen Tab)
FORUM Rastatt
Rastatt
- Tickets (öffnet in einem neuen Tab)
Universum City Karlsruhe
Karlsruhe
- Tickets (öffnet in einem neuen Tab)
Tivoli Achern
Achern
- 20:00
- 20:00
- Tickets (öffnet in einem neuen Tab)
Schauburg Karlsruhe
Karlsruhe
Todesurteil und Einzelhaft in Bruchsal
Am 15. September 1849 verurteilte ein Standgericht Corvin wegen Hochverrats zum Tode. Sein Anwalt Rudolf Kusel erreichte die Umwandlung der Strafe in sechs Jahre Einzelhaft, die Corvin im Zellengefängnis Bruchsal verbüßte. Frühere Mitstreiter wie Johann Philipp Becker warfen ihm vor, die Besatzung mit zu optimistischen Andeutungen über eine milde Behandlung zur Kapitulation überredet zu haben. Der Vorwurf des Verrats begleitete ihn lange.
Journalist in England und Amerika
Nach seiner Entlassung 1855 verließ Corvin Deutschland und arbeitete in Großbritannien als freier Journalist. 1861 erschienen in Amsterdam seine Lebenserinnerungen „Aus dem Leben eines Volkskämpfers“, eine wichtige, wenn auch parteiische Quelle zur Belagerung von Rastatt. Im selben Jahr ging er als Korrespondent nach New York und berichtete aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg. Er schrieb unter anderem für The Times, die Allgemeine Zeitung und die Gartenlaube.
1874 kehrte Corvin nach Deutschland zurück und ließ sich zunächst in Wertheim nieder. Er starb am 1. März 1886 in Wiesbaden und wurde auf dem dortigen Nordfriedhof beigesetzt.
Quellen und Literatur
- Wilmont Haacke: Corvin-Wiersbitzki, Otto Julius Bernhard von. In: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 370 bis 371.
- Otto von Corvin: Aus dem Leben eines Volkskämpfers. 4 Bände, Amsterdam 1861.
- Ingrid Stamm: Der „Verräter“, der begnadigt wurde. Otto von Corvin (1812 bis 1886) und die Revolution in Baden. Baden-Baden 2012.
- https://www.deutsche-biographie.de/pnd118522310.html
Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND
Zum Weiterlesen

Carl Schurz
Demokratie heißt: Frieden und Versöhnung überall
Texte von Carl Schurz, der 1849 in der belagerten Festung Rastatt lag und entkam.
Köln 2024 · ISBN 9783462500158

Christopher Clark
Frühling der Revolution. Europa 1848/49 und der Kampf für eine neue Welt
Große Gesamtschau der europäischen Revolution von 1848/49, von den ersten Aufständen bis zur Niederlage.
München 2025 · ISBN 9783570555101
