
Gottfried Kinkel
Gottfried Kinkel, geboren 1815 in Oberkassel bei Bonn, war Professor für Kunst- und Literaturgeschichte in Bonn und ein bekannter Dichter. 1848 gründete er den Demokratischen Verein in Bonn, 1849 kämpfte er im Freikorps Willich für die Reichsverfassung. Am 29. Juni 1849 wurde er an der Murg verwundet, gefangen und zu lebenslanger Haft verurteilt. 1850 befreite ihn Carl Schurz aus dem Zuchthaus Spandau, später lehrte Kinkel in London und Zürich.
- Geboren11.8.1815
- Gestorben13.11.1882
- GeburtsortOberkassel bei Bonn
- WirkungsortBonn, Baden, London, Zürich
- Rolle / FunktionFreischärler 1849, an der Murg verwundet und gefangen
- BerufTheologe, Kunsthistoriker, Dichter
Theologe und Dichter in Bonn
Johann Gottfried Kinkel wurde am 11. August 1815 in Oberkassel bei Bonn als Sohn eines Pfarrers geboren. Er studierte evangelische Theologie in Bonn und Berlin und lehrte ab 1837 Kirchengeschichte an der Universität Bonn. Mit der Musikerin und Schriftstellerin Johanna Mockel gründete er 1840 den literarischen Maikäferbund. Die Heirat mit der geschiedenen Katholikin Johanna im Jahr 1843 löste einen Skandal aus. Kinkel musste die theologische Fakultät verlassen und wurde 1846 außerordentlicher Professor für Kunst-, Literatur- und Kulturgeschichte. Als Dichter hatte er inzwischen einen Namen, vor allem mit seinem Versepos „Otto der Schütz“.
Demokrat im Revolutionsjahr 1848
1848 übernahm Kinkel die Redaktion der Bonner Zeitung und gründete am 31. Mai den Demokratischen Verein in Bonn. Im Februar 1849 wählten ihn die Bürger des Wahlkreises Bonn-Sieg in die Zweite Kammer des preußischen Landtags. Nachdem Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone abgelehnt hatte, beteiligte sich Kinkel im Mai 1849 am gescheiterten Sturm auf das Zeughaus in Siegburg. Danach ging er in die Pfalz und nach Baden, um sich dem Aufstand für die Reichsverfassung anzuschließen.
Verwundet an der Murg 1849
Kinkel kämpfte als Freischärler im Korps von August Willich, in dem auch Friedrich Engels diente. Bei den Gefechten an der Murglinie wurde er am 29. Juni 1849 im Raum Muggensturm und Bischweier verwundet und geriet in preußische Gefangenschaft. Zunächst hielt man ihn in Karlsruhe fest, nach dem Fall der Festung Rastatt in deren Kasematten. Am 4. August 1849 verurteilte ihn ein preußisches Kriegsgericht in Rastatt zu lebenslanger Festungshaft, nicht zum Tode.
Das Urteil machte Kinkel schlagartig zum Märtyrer der Revolution. In vielen Städten sammelten Kinkel-Komitees Geld für seine Familie. Dem späteren Kaiser Wilhelm I., damals Oberbefehlshaber in Baden, erschien die Strafe dagegen zu milde. Der König wandelte sie in Zuchthaus um, Kinkel kam in das Zuchthaus Naugard in Pommern und nach einem weiteren Prozess in Köln im Mai 1850 nach Spandau.
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Die Befreiung aus Spandau
In der Nacht vom 6. auf den 7. November 1850 befreite ihn sein Freund Carl Schurz, der selbst aus Rastatt entkommen war, mit Hilfe eines Gefängniswärters aus dem Zuchthaus Spandau. Die beiden flohen über Rostock und Warnemünde nach Großbritannien. Die Flucht machte in ganz Europa Schlagzeilen.
Exil in London und Zürich
In London lehrte Kinkel Literatur- und Kunstgeschichte und warb 1851 und 1852 auf einer Reise durch die Vereinigten Staaten Geld für eine neue Revolution in Deutschland. Nach dem Tod seiner Frau Johanna 1858 gründete er die deutschsprachige Zeitung „Hermann“. 1866 folgte er einem Ruf als Professor für Kunstgeschichte an das Eidgenössische Polytechnikum in Zürich, die heutige ETH. Dort starb Gottfried Kinkel am 13. November 1882.
Quellen und Literatur
- Edith Ennen: Kinkel, Gottfried. In: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 623 bis 624.
- Otto Maußer: Kinkel, Gottfried. In: Allgemeine Deutsche Biographie 55 (1910), S. 515 bis 528.
- Carl Schurz: Lebenserinnerungen. Band 1. Berlin 1906.
- https://www.deutsche-biographie.de/pnd11856224X.html
Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND
Zum Weiterlesen

Peter Sprengel
Gottfried Kinkel, die Medien und die Revolution 1849/50. Sechs philologische Studien
Sechs Studien zu Kinkel und seinem Bild in den Medien der Revolutionsjahre 1849/50.
Göttingen 2025 · ISBN 9783835359673

Carl Schurz
Demokratie heißt: Frieden und Versöhnung überall
Texte von Carl Schurz, der Kinkel 1850 aus dem Zuchthaus Spandau befreite.
Köln 2024 · ISBN 9783462500158
