Carl Schurz
Carl Schurz 1879, Fotograf unbekannt, aus: Reminiscences of Carl Schurz, Band 3, New York 1907. Gemeinfrei, Wikimedia Commons.

Carl Schurz

1829–1906 Freischärler 1849, Flucht aus Rastatt, später US-Senator und Innenminister Republikaner

Carl Schurz, geboren 1829 in Liblar bei Köln, studierte in Bonn und war ein Schüler Gottfried Kinkels. 1849 kämpfte er in der Pfalz und in Baden und entkam beim Fall der Festung Rastatt durch einen Abwasserkanal. 1850 befreite er Kinkel aus dem Zuchthaus Spandau. In den USA wurde er General der Union, Senator für Missouri und von 1877 bis 1881 Innenminister.

  • Geboren2.3.1829
  • Gestorben14.5.1906
  • GeburtsortLiblar
  • WirkungsortBonn, Baden, Rastatt, London, Wisconsin (USA), St. Louis (USA), Washington (USA)
  • Rolle / FunktionFreischärler 1849, Flucht aus Rastatt, später US-Senator und Innenminister
  • BerufStudent, Journalist, Politiker, General (USA)

Lehrersohn aus dem Rheinland

Carl Christian Schurz wurde am 2. März 1829 in Liblar bei Köln geboren, als Sohn eines Dorfschullehrers. Er besuchte das Marzellengymnasium in Köln, musste es aus Geldmangel aber verlassen und legte 1847 in Bonn als externer Schüler das Abitur ab. Danach studierte er in Bonn Philologie und Geschichte. Dort freundete er sich mit dem Professor und Dichter Gottfried Kinkel an. Im Dezember 1848 wurde Schurz Präsident des neu gegründeten demokratischen Studentenvereins in Bonn.

Freischärler und Flucht aus Rastatt

Am 10. Mai 1849 beteiligte sich Schurz mit Kinkel am gescheiterten Sturm auf das Zeughaus in Siegburg. Danach ging er über die Pfalz nach Baden und wurde Adjutant von Fritz Anneke, der die Artillerie der pfälzischen Volkswehr befehligte. Mit den Resten der Revolutionsarmee geriet er in die belagerte Festung Rastatt. Als die Festung fiel, entkam er zusammen mit Albert Neustädter durch einen Abwasserkanal, schlug sich ins Elsass durch und gelangte von dort in die Schweiz. Am 11. August 1849 erreichte er Zürich.

Die Befreiung Kinkels aus Spandau

Kinkel war an der Murg gefangen und zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Im August 1850 reiste Schurz mit dem Pass eines Vetters heimlich nach Berlin. In der Nacht vom 6. auf den 7. November 1850 befreite er seinen Lehrer mit Hilfe eines bestochenen Wärters aus dem Zuchthaus Spandau. Die beiden flohen über Rostock und Warnemünde per Schiff nach Schottland. Die Flucht machte Schurz in ganz Europa bekannt. In London heiratete er 1852 Margarethe Meyer, die später in Wisconsin einen der ersten Kindergärten der Vereinigten Staaten gründete.

Aufstieg in Amerika

1852 wanderte Schurz in die USA aus und ließ sich 1856 in Watertown, Wisconsin, nieder. Als Gegner der Sklaverei schloss er sich der neuen Republikanischen Partei an und warb 1860 unter den Deutschamerikanern erfolgreich für Abraham Lincoln. Lincoln schickte ihn 1861 als Gesandten nach Spanien. Im Bürgerkrieg kehrte Schurz zurück und stieg in der Unionsarmee, teils unter Franz Sigel, bis zum Generalmajor auf. Er kämpfte unter anderem in der zweiten Schlacht am Bull Run, bei Chancellorsville und bei Gettysburg.

Senator und Innenminister

1869 wählte ihn Missouri in den Senat der Vereinigten Staaten. Schurz war der erste gebürtige Deutsche in diesem Amt und kämpfte dort gegen die Korruption unter Präsident Grant. Von 1877 bis 1881 leitete er als Innenminister unter Präsident Hayes das Innenministerium. Er begann, die Indianerpolitik einer zivilen Verwaltung zu unterstellen, und setzte sich für den Schutz der Wälder ein. Im Alter wandte er sich gegen die Expansionspolitik der USA und gründete 1898 mit Mark Twain und anderen die Anti-Imperialist League.

Carl Schurz starb am 14. Mai 1906 in New York. In Deutschland tragen viele Straßen und Schulen seinen Namen, in Rastatt erinnern eine Straße und ein Brunnen an ihn.

Quellen und Literatur

  1. Carl Schurz. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Schurz
  2. Carl Schurz: Lebenserinnerungen. 3 Bände. Berlin 1906 bis 1912.
  3. Hartmut Keil: Schurz, Carl. In: Neue Deutsche Biographie 23 (2007).
  4. https://www.deutsche-biographie.de/pnd118611720.html

Weiterführend: Wikipedia Wikidata GND

Zum Weiterlesen

  • Carl Schurz

    Demokratie heißt: Frieden und Versöhnung überall

    Texte von Carl Schurz aus der Revolution und dem amerikanischen Exil, mit einem Vorwort von Uwe Timm.

    Köln 2024 · ISBN 9783462500158

  • Peter Sprengel

    Gottfried Kinkel, die Medien und die Revolution 1849/50. Sechs philologische Studien

    Studien zu Gottfried Kinkel, den Schurz 1850 aus dem Zuchthaus Spandau befreite.

    Göttingen 2025 · ISBN 9783835359673

  • Christopher Clark

    Frühling der Revolution. Europa 1848/49 und der Kampf für eine neue Welt

    Große Gesamtschau der europäischen Revolution von 1848/49, von den ersten Aufständen bis zur Niederlage.

    München 2025 · ISBN 9783570555101

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